
Kopieren ist die höchste Form des Lobs: "... und dann kam Polly"-Macher John Hamburg bedient sich bei seiner Komödie über einen Frauenversteher vor der Hochzeit auf der Suche nach männlichem Beistand nicht nur der Blaupause der Erfolgskomödien eines Judd Apatow ("Beim ersten Mal"), sondern verpflichtete auch zwei der zuverlässigsten Darsteller aus dessen ständigem Kreativensemble.
Von ewigen Kindsköpfen erzählt Apatow in seinen Filmen, von Männern, die nicht erwachsen werden wollen und ihre Angst vor Verantwortung hinter ihrer Obsession für die prägenden Dinge ihrer Jugend verstecken. Es sind prägnante Komödien über Unsicherheit, die ihre Pointen nicht mit Paukenschlag ankündigen und dann mit dem Dampfhammer servieren, sondern hinterrücks heranschleichen lassen, um sie dann in peinlichen Pausen setzen, moderne Komödien wider derben Slapstick und Offensichtlichkeit. John Hamburg, der Apatows Stil mit seinen Drehbüchern zu den "Meine Braut, ihr Vater und ich"-Filmen vorwegnahm und mit dem Meister selbst als Regisseur seiner kurzlebigen Serie "Undeclared" arbeitete, hat den unwiderstehlichen Dreh beinahe perfekt raus: Noch nie war mehr Apatow in einem Film, der nicht von Apatow ist - die endgültige Bestätigung, dass der Macher von "Jungfrau (40), männlich, sucht..." als Trendsetter angekommen ist.
Peter Klaven ist ein prototypischer Apatow-Held, vielleicht etwas mehr als Ben Stiller als Seth Rogen, mehr Steve Carell als Jonah Hill, aber in seiner ewig verklemmten Aufrichtigkeit vom souveränen Paul Rudd so sympathisch und nachvollziehbar gespielt, dass man ihm sogar seinen Job als Immobilienmakler verzeiht. Peter hat noch ernstere Probleme: Als er sich nach einem Heiratsantrag nach einem Trauzeugen umschauen muss, stellt er fest, dass er niemals wirklich Männerfreundschaften geschlossen und gepflegt hat. Immer verzweifelter und absurder werden seine Versuche, einen Kumpel zu finden und damit seinen inneren Mann zu erwecken, bis er bei einem Hausbesichtigungstermin Sydney Fife kennenlernt, der die kostenlosen Snacks und Gelegenheit, Frauen aufzureißen, genießt. Jason Segel aus der Erfolgsserie "How I Met Your Mother", der im vergangenen Jahr in dem unterschätzten "Nie wieder Sex mit der Ex" in einer ähnlichen Rolle wie hier Rudd ordentlich einzustecken hatte, spielt Sydney als eine Art Will Ferrell mit der DNS des Dude aus "Big Lebowski", oder auf gut Deutsch: als völlig in sich ruhenden Slacker, dem nichts jemals peinlich ist. Je mehr sich beim gemeinsamen Musizieren eine Freundschaft zwischen Peter und Sydney entwickelt, desto skeptischer wird Peters Verlobte Zooey, die es auf einmal mit der Angst zu tun bekommt, ihren bislang so zahmen Lebensgefährten nicht mehr kontrollieren zu können - auch wenn der bestenfalls einen Knopf öffnet, während Sydney sich das Hemd vom Leib reißt.
Viel Handlung ist nicht zu entdecken, dafür zwei unglaublich komische Schauspieler, die perfekt aufeinander eingespielt sind und selbst müdesten Situationen Lacher abringen können. Hamburg umgibt sie mit Charakterköpfen, die aus einem Minimum an Zeit ein Maximum an Wirkung herausholen, allen voran J.K. Simmons als Peters Vater, der hier mindestens so witzig ist wie zuletzt in "Juno" oder "Burn After Reading", und der aufstrebende Andy Samberg, der mit seiner aggressiven Gay Comedy keinen Zweifel lässt, dass sich zwischen Peter und Sydney nichts Homoerotisches abspielt und das am Schluss mit Nachdruck geäußerte "Ich liebe dich, Mann" das Nonplusultra an Bekunden einer Männerfreundschaft ist. ara.