
Deutsch-irisch-englische Koproduktion über die Tragödie des Menschenschmuggels und schottische Hochseefischer, die darin verwickelt werden.
Die Vita von Steve Hudson, Cambridge-Absolvent und Darsteller in deutschen TV-Produktionen ("Verbotene Liebe"), nimmt eine weitere überraschende Wende. Das Regiedebüt des vielseitigen Briten, der auch das Drehbuch schrieb, präsentiert sich als kompetentes Drama mit Top-Darstellern und subtiler Erzählweise. Nichts führt hier ein dramatisches Ausrufezeichen, vieles wird nicht ausgesprochen, sondern nur angedeutet, dennoch erschüttert "True North", ohne emotional zu manipulieren.
Es beginnt mit chinesischen Flüchtlingen, die Argumentationen einüben, sollten sie von den Einwanderungsbehörden gestellt werden. Das Gesicht eines Mädchens, in deren Tränen sich die Wunden eines traumatischen Lebens zeigen, bleibt in Erinnerung - und das nicht ohne Grund. Su Lis Weg wird die vierköpfige Crew eines schottischen Fischkutters kreuzen. An Bord ein verklemmter Koch, ein lauter Spaßvogel (Peter Mullan), der wortkarge Skipper und sein Sohn (Martin Compston), der aus der Not, den immer ertragloseren Fischzügen, einen Ausweg sucht und eine verhängnisvolle Entscheidung trifft. In Ostende bringt er ohne Wissen des Vaters chinesische Emigranten an Bord, die er gegen gutes Geld nach Großbritannien bringen soll. Sie werden in den frostig-feuchten Laderaum gesperrt - nur dem Mädchen gelingt es, sich im Kajütenbereich zu verstecken. Ihre Entdeckung durch den Koch mündet in eine heikle, delikat inszenierte Szene, in der sich das Mitgefühl des Manns mit verdrängter sexueller Neugier mischt, die das Mädchen verängstigt und zu einem auch für den Koch schockierenden Angebot zwingt. Verzweiflung ist das dominante Motiv - auf beiden Seiten.
Weil die Gruppe im Grunde gesichtslos bleibt und ihre entwürdigende Situation nur angedeutet wird, ist die kleine Chinesin Symbolfigur einer globalen Tragödie von Heimat- und Familienverlust, von einem Leben auf der Flucht und in der Fremde. Zu großen Teilen auf See spielend, beobachtet "True North" das Beziehungsgefüge an Bord, den Kampf gegen raues Wetter und das distanzierte Verhältnis eines Vaters zum Sohn, das schließlich eine Tragödie auslöst. Unsentimental ist Hudsons Film, seine Empathie nicht ins Herz des Zuschauers gehämmert, sein Gewissen aber immer spürbar. Und seine Darsteller, drei davon Veteranen aus Ken-Loach-Filmen, sind beeindruckend. kob.