
Mord, Sex und ein hartgesottener Cop in San Francisco. Die Rede ist nicht etwa von Clint Eastwood zu "Dirty Harry"-Tagen, sondern von Femme Forté Ashley Judd ("High Crimes"). In Philip Kaufmans ("Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins") psychologischem Thriller "Twisted" spielt sie einmal mehr eine starke Frau in tödlicher Gefahr. Als frisch beförderte Mordinspektorin Jessica Shephard muss sie einen sadistischen Serienmörder dingfest machen. Der besondere Twist dabei: Der Fall ist eine peinlich persönliche Angelegenheit, da die Opfer allesamt Männer sind, mit denen sie intim war.
Regisseur Kaufman ist eine vielversprechende Wahl für die Inszenierung, da er sowohl im Bereich Erotikdrama ("Henry & June", "Quills') als auch mit Kriminalthrillern ("Die Wiege der Sonne") bewandert ist. Auch Hauptdarstellerin Judd betritt kein Neuland, da sie in diesem Krimi, der wie eine Variation jener Art konstruierter Thriller wirkt, mit deren Drehbücher (z. B. "Sliver" oder "Jade") Joe Eszterhas vor einem Jahrzehnt Rekordsummen verdiente, von ihrem seit "Denn zum Küssen sind sie da" etablierten Rollentypus kaum abweicht. Allerdings wird ihr diesmal eine aggressive Sexualität zugestanden. So fügt sie sich als Polizistin Jessica Shepard perfekt in die Männerdomäne ihres Berufs ein. Kurzhaarschnitt, ausgiebiger Zigaretten- und Alkoholkonsum, anonymer Sex und unbeherrschte Brutalität gegenüber einem Verhafteten dienen als Zeugnis davon. Am ersten Tag bei der Mordkommission wird sie mit ihrem neuen Partner (Andy Garcia) zu einer in der Bucht von San Francisco angeschwemmten Leiche gerufen. Shepard ist unangenehm berührt. Weniger vom brutal entstellten Körper, als vom Umstand, dass es sich dabei um eine ihrer flüchtigen Sexbekanntschaften handelt. In kurzer Folge tauchen nacheinander weitere Leichen auf, die allesamt bestialisch zu Tode geprügelt wurden, eine Zigarettenbrandwunde an der Hand haben und sich als ehemalige Sexpartner von Shepard herausstellen. Gleichzeitig wird Shepard von mysteriösen Blackouts (ursprünglicher Arbeitstitel des Films) heimgesucht. Sie beginnt zu befürchten selbst die Täterin zu sein, weil sie glaubt, den Killerinstinkt im Blut zu haben, der ihren Vater, ebenfalls ein Cop, vor vielen Jahren tödlichen Amok laufen ließ.
Das Drehbuch von Skriptnovizin Sarah Thorp bietet natürlich weitere Alternativen. Diese üblichen Verdächtigen bestehen aus ihrem Partner, ihrem Psychiater und einem Kollegen, die jeweils in verfänglichen Szenarien als mögliche Täter angeboten werden. Eine weitere wichtige Rolle im Leben der Protagonistin wird von Samuel L. Jackson als ihrem Mentor beim SFPD übernommen, der hiermit den angestammten Part von Morgan Freeman (siehe "Denn zum Küssen sind sie da") übernimmt. Insgesamt wirkt die Story stark konstruiert und an vielen Stellen schlichtweg unglaubwürdig. Darüber hinaus lässt sich die Identität des Killers trotz einer Reihe ausgelegter falscher Fährten allzu leicht erraten. Suspense soll akkustisch mit dem ununterbrochen unheilvoll anklingenden Score von Mark Isham untermalt werden. Ihm fehlt wie dem Film eine gewisse Nuanciertheit, die auch der Story gut angestanden hätte. ara.