
Wieder einer dieser famosen britischen Filme, die schräges Show-Entertainment und emotionale Beziehungsgeschichten aus dem Provinzalltag lässig aberwitzig miteinander verbinden. Regisseur Paddy Breathnach inszeniert nach einem Drehbuch von "Ganz oder gar nicht"-Autor Simon Beaufoy eine Comédie Humaine, in der immer auch ein Hauch von Melancholie und Tragik mitschwingt. Attraktion für ein großes Arthouse-Publikum ist die außerordentliche Starbesetzung Alan Rickman, Natasha Richardson, Rachel Griffiths und Josh Hartnett, der hier bereits vor seinem "Pearl Harbor"-Erfolg beste Figur macht.
Im englischen Provinzmilieu auf der Leinwand fühlt man sich schon fast heimisch auf behagliche Weise seit "Brassed off", "Ganz oder gar nicht" und "Little Voice". Die Stories, die in diesem Ambiente aus der Alltäglichkeit heraus zu leuchten beginnen, sind gerade wegen ihrer realistisch genau beobachteten Details bei Menschen, Dingen, Situationen so angenehm spannend und selbst bei einer gewissen Vorhersehbarkeit voller kleiner Überraschungen. Diesmal nimmt Beaufoy sich die Welt der Haarkünstler vor, beschreibt das seltsame Treiben der Eitelkeiten bei der britischen Friseurmeisterschaft im kleinen Städtchen Keighley in Yorkshire. Dem Autor, der selbst aus Keighley stammt, gelingen dabei wieder ein paar liebevoll bösartige Schlaglichter auf schillernde Typen und komplizierte Beziehungen. Der junge irische Regisseur Paddy Breathnach, der sich bisher mit zwei ebenso verschiedenen wie souverän erzählten emotionalen wie pfiffigen Spielfilmen ("Alisa", "I Went Down") international einen Namen gemacht hat, findet den richtigen Ton für diese Geschichte von Liebe, Missverständnis, Eifersucht, Profilneurosen, Freude und Trauer. Von tiefer Melancholie gezeichnet ist Barbien Phil (Alan Rickman), seit ihn vor zehn Jahren seine Frau Shelley (Natasha Richardson) wegen einer anderen Frau, noch dazu seinem Model Sandra (Rachel Griffiths), verlassen hat. Phil, der bereits einmal die "Silberne Schere" gewonnen hat, will sich auf keinen Fall wieder an der Meisterschaft beteiligen, nicht mehr gegen die schmutzigen Tricks seines fiesen Rivalen antreten, sich lieber fern vom ganzen Rummel halten. Was natürlich nicht geht nach den klassischen Komödienregeln, und Breathnach lässt das zu erwartende Chaos der Ereignisse nie derb poltern, sondern mit intelligent witzigen Brechungen perlen. Phils Sohn Brian (Josh Hartnett) übt im Beerdigungsinstitut an Toten für den Wettbewerb. Da könnte es schon passieren, dass ein honoriger Verstorbener als Punk ins Grab sinkt. Shelley, die mit Sandra ihren eigenen Salon gegenüber von Phils Laden betreibt, überrascht ihre Familie mit ihrer unheilbaren Krankheit. Phils Erzrivale aktiviert wie besessen noch fiesere Tricks als bisher und verliert damit seine Tochter Christina (Rachel Leigh Cook) endgültig an den verliebten Brian. Dass am Ende die Gerechtigkeit des dramaturgischen Zufalls siegt und versöhnliche Happiness mit angedeutetem Trauerflor herrscht, überzeugt, wie der gesamte Verlauf der Story, vorwiegend durch die von Breathnach sensibel geführten und bis in die kleinste Nuance hervorragenden Darsteller. fh.