DVD Leihvideo

Unkenrufe - Zeit der Versöhnung

Heiter-melancholische Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Polin nach Günter Grass.


Unkenrufe - Zeit der Versöhnung

Leihvideo

Erhältlich seit:
23.03.2006

Originaltitel: Unkenrufe

Komödie/ Drama

Deutschland/Polen/Großbritannien 2005
Laufzeit: 94 Min.
FSK: ab 6

Matthias Habich
Krystyna Janda
Dorothea Walda

Regie: Robert Glinski
EuroVideo Bildprogramm

Bild 1 von 13

Filmbewertung


(0 Bewertungen)
Die Ausstattung

Die Technik

Haben Sie den Film schon gesehen?

Jetzt bewerten!


 
Unkenrufe - Zeit der Versöhnung

Der verwitwete Alexander und die seit dem Tod des Mannes ebenfalls alleinstehende Aleksandra lernen sich auf dem Markt in Danzig kennen, wo der Kunsthistoriker seine Kindheit verbrachte. Auch die Restauratorin musste früh ihre eigentliche Heimat Wilna verlassen und so kommen die beiden auf die Idee, in Danzig einen völkerversöhnenden deutsch-polnischen Friedhof zu eröffnen. Das Ganze wird ein voller Erfolg, doch Geldgier treibt bald schon einen Keil zwischen die beiden Idealisten und ihr Symbolprojekt.

Eng an Günter Grass' gleichnamige Erzählung angelehnt, entspinnt sich unter der versierten Regie des vielfach preisgekrönten polnischen Regisseurs Robert Glinski eine gutbeobachtete Satire über das Wesen der Menschheit. Fernab von Völkerklischees und Eine-Welt-Romantik bietet das Werk neben der tiefgründigen (Liebes-)Geschichte auch die Gelegenheit, den wunderbar nuanciert aufspielenden Matthias Habich ("Der Untergang") neben der tollen Krystyna Janda ("Mephisto") zu genießen. Geistig-Unterhaltsames für Mitdenker.

Unkenrufe - Zeit der Versöhnung

13 Jahre nach Erscheinen von Günter Grass' Erzählung "Unkenrufe", verfilmt der Pole Robert Glinski in dieser deutsch-polnischen Koproduktion die heiter-melancholische Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Polin, die einen "Versöhnungsfriedhof" im ehemaligen Danzig gründen und an der ungeahnten Kraft des Kapitalismus scheitern. Kurz nach der Wende siegt die harte deutsche Mark über Idealismus.

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass zeigte 1992 in seiner Novelle mit gepflegter Selbstironie die feinen Risse unter der Haut von Menschen, die ihre Heimat und ihre Wurzeln verloren haben. Der Kunsthistoriker Alexander Reschke aus Bochum trifft 1989 bei einem Besuch in Danzig, der Stadt seiner Kindheit, zufällig auf dem Markt die polnische Restauratorin Aleksandra Piatowska. Auch sie musste in früher Jugend den Ort verlassen, an dem sie geboren wurde - das litauische Wilna. Nach Zoff kommt Zärtlichkeit, die beiden (beste Chemie zwischen Krystyna Janda und Matthias Habich) nähern sich einander an und entwickeln eine grandiose Idee. Warum nicht eine Stiftung gründen, die einen Friedhof für Deutsche in Danzig und Polen in Wilna möglich macht? Die Mitkämpfer sind bald überzeugt, leider alles andere als Idealisten - vom deutschen Business-Mann über eine Vertriebenen-Vertreterin und einen merkantil kalkulierenden Priester bis zu polnischen Honoratioren mit DM-Zeichen in den Augen ist alles vertreten, da kann auch die bodenständige Marktfrau aus der Gegend kein Gegengewicht im Stiftungs-Vorstand bilden. Nach den ersten Bestattungen geht das Gefeilsche los, bald boomt das Geschäft mit Toten und deutschstämmigen Alten, die in frisch gebauten Seniorenheimen dem Sterben entgegentanzen und - singen, zum letzten Mal den Golfschläger schwingen. Angewidert ziehen sich Alexander und Aleksandra zurück, retten ihre Liebe, die in einer Kurve beim Italienbesuch tragisch endet. Sehr gut vermittelt diese Literaturverfilmung das perfektionierte Chaos, in dem die Menschen vergeblich versuchen, eine Linie zu finden.

Wie in der Vorlage spielt Glinski die Wirklichkeit gegen den Wahnsinn aus, wobei der Wahnsinn eigentlich die Wirklichkeit ist. Wenn die Geldgier jegliche Pietätsschranken durchbricht, nur noch materielle Werte zählen und plötzlich mitten in Polen Nostalgiker-Gruppen deutsches Liedgut schmettern, das trägt schon absurde Züge. Durch kurze und immer wiederkehrende Rückblenden in die Vergangenheit der Protagonisten, wird der Bogen zur Gegenwart gezogen, das Heute und Gestern miteinander verknüpft. Schmunzeln macht die Konterkarierung der üblichen Vorurteile (Arrogante Deutsche kaufen alles, Polen klauen alles). "Unkenrufe" ist keine Mainstream-Ware zum schnellen Konsum, sondern verlangt Zuhören und Zusehen. Das sollte einem erwachsenen Publikum bei dieser Mischung aus Geschichts-Rekurs, bissiger Satire und bewegender Love-Story nicht schwerfallen. mk.

Darsteller:  Matthias Habich   als Alexander Reschke
  Krystyna Janda   als Aleksandra Piatkowska
  Dorothea Walda   als Erna Brakup
  Udo Samel   als Vielbrand
  Mareike Carrière   als Johanna Dettlaff
  Joachim Król   als Karau
  Zbigniew Zamachowski   als Bieronski
  Marek Kondrat   als Marczak
  Krzysztof Globisz   als Wróbel
  Aleksandra Kisio   als Iwonka
  Krzysztof Ogloza   als Witek
  Bhasker Patel   als Chatterjee
 
Regie:  Robert Glinski  
Buch:  Klaus Richter  
  Cezary Harasimowicz  
  Pawel Huelle  
Musik:  Richard G. Mitchell  
Kamera:  Jacek Petrycki  
Produzent:  Elke Ried  
  Prof. Regina Ziegler  
  Henryk Romanowski  
  Mike Downey  
 

Fassungen

 

facebook

 

Features

 

Star

Matthias Habich

Vom Fernsehstar zum Charakterdarsteller, der als grüblerischer Pianist, eiskalter Soldat, zärtlicher Liebhaber, gleichgültiger Ehemann,...

 

Star

Udo Samel

Sein rundlich freundliches, eigentlich nur lächelnd vorstellbares Gesicht strahlt die gelassene Weisheit eines optimistischen Philosophen aus, der...