
Franka Potente lässt in diesem Monologfilm die Geschichte einer großen Liebe Revue passieren.
Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt pflegt ein Faible für Monologfilme. Nach "Mein letzter Film" mit Hannelore Elsner, die ihre Lebensbeichte auf Video aufnimmt und Ben Becker in "Ein ganz gewöhnlicher Jude" (beide unter der Regie von Oliver Hirschbiegel) folgt nun Franka Potene als "Valerie" inszeniert von Josef Rusnak und ist so ganz anders als die Vorgänger. Ein Experiment, das polarisiert.
Die Galeristin beschließt, ein Video-Tagebuch für ihren im Koma liegenden Lebensgefährten aufzunehmen. Sie will nur noch einmal nach Los Angeles, um ihre Brücken dort abzubrechen, um dann endgültig nach Berlin zu ziehen (in Roger Willemsens Roman "Kleine Lichter" waren die Handlungsorte Tokio und Wien). Vor Antritt der Reise spricht sie im schicken Berliner Loft Liebesbotschaften auf Band, die während ihrer Abwesenheit im Krankenzimmer abgespielt und ihn am Leben erhalten sollen. Das Projekt entwickelt sich zur Geschichte einer großen Liebe und zur Abrechnung mit dem Leben und der Widersprüchlichkeit von Emotionen.
Kameramann Benedict Neuenfels setzt Willemsens Texte, eine Art Vermessung der Frauenwelt, in irritierende Bilder und eine verstörende Visualität um. Mal in schwarz-weiß, dann in Farbe - wobei die Farbdramaturgie im Dunkeln bleibt -, in Slow Motion und seltsamen Kamerawinkeln folgt er der Protagonistin, die sich mit einer kleinen HD-Kamera aufnimmt und in den Gegenständen oft widerspiegelt. Die Verarbeitung von Verlust, Liebe, Individualität und Beziehung in einer Ausnahmesituation erfordert nicht nur Zugucken, sondern auch Zuhören. Ob man "Valerie" nun als Zusammenstellung abstrakter Gemeinplätze, reine Verliebtheit in intellektuell verbrämten Kitsch oder eine leidenschaftliche Mischung aus Poesie, Pathos und Philosophie wahrnimmt, ist wohl persönliche Gefühls- und Interpretationssache. Franke Potente schafft es jedenfalls in einer schauspielerischen tour de force mühelos, in der Eruption von Erinnerungen und dem Kosmos der Unordnung nicht die Orientierung zu verlieren, sondern Empathie zu wecken und in der Erforschung existenzieller Bruchstellen zu überzeugen. mk.