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Vergiss mein nicht!

Charlie Kaufmans neuer Streich: Jim Carrey und Kate Winslet lassen ihre Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit auslöschen - und fangen von vorne an.


Vergiss mein nicht!

Leihvideo

Erhältlich seit:
07.10.2004

Originaltitel: Eternal Sunshine of the Spotless Mind

Drama/ Komödie

USA 2004
Laufzeit: 103 Min.
FSK: ab 12

Jim Carrey
Kate Winslet
Kirsten Dunst

Regie: Michel Gondry
Highlight Communications (Deutschland)

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Charlie Kaufmans neuer Streich: Jim Carrey und Kate Winslet lassen ihre Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit auslöschen - und fangen von vorne an.

Clementine und Joel führen eine turbulente Beziehung (Foto: Constantin) Großansicht

Clementine und Joel führen eine turbulente Beziehung (Foto: Constantin)

Joel (Jim Carrey) und Clementine (Kate Winslet) schlagen sich mit der quälenden Routine ihrer Beziehung herum, bis Clementine dem kurzerhand ein Ende setzt. Sie lässt alle Erinnerungen an Joel medizinisch ausradieren.

Als Joel ausgerechnet am Valentinstag feststellen muss, dass seine Freundin ihn nicht mehr kennt, wendet er sich deprimiert an den Erfinder der sagenhaften "Heil-Methode", Dr. Mierzwiak (Tom Wilkinson), um seinerseits diese Demütigung und Clementine vergessen zu können.

Als sich in Folge eines Computerfehlers in Joels Kopf plötzlich die Wahrnehmungsebenen vermischen, fällt dem Patienten auf, dass mit den schmerzhaftesten Erinnerungen auch die schönsten gemeinsam erlebten Momente verschwinden. Sein Unterbewusstsein rebelliert und startet den aussichtslosen Kampf gegen das Vergessen. Und nun kann er Clementine im wahrsten Sinne des Wortes nicht aus seinem Kopf bekommen.

Dr. Mierzwiak soll Joel beim Vergessen helfen (Foto: Constantin) Großansicht

Dr. Mierzwiak soll Joel beim Vergessen helfen (Foto: Constantin)

Eine Reise durchs Gehirn

Auf so vertrackte wie originelle Weise entführt Drehbuchgenie Charlie Kaufman nach "Adaption" mit erneuter Hilfe von Clip-Profi Michel Gondry ("Human Nature") wieder in das Gehirn seiner Protagonisten.

Mit seinem bis dato menschlichstem Skript erzählt Kaufman von nichts anderem als der Liebe und dem ganz normalen Beziehungsdrama und ist trotz erneuter Umwege durch Gehirnwindungen mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern auf erfreuliche Art und Weise näher an der Realität als mit seinen vorangegangenen Meisterwerken.

Vergiss mein nicht!

Auf vertrackten und originellen Wegen führte Drehbuchgenie Charlie Kaufman mit "Being John Malkovich" ins Hirn eines Filmstars, in "Adaption" in sein eigenes, in "Human Nature" in das der gesamten Menschheit. Bei Letzterem sorgte erstmals der französische Clip-Profi Michel Gondry für die filmische Umsetzung (die Senator im Zuge von "Vergiss mein nicht!" nun endlich auch in Deutschland starten will), an der vereinzelt die fehlende Tiefe der Figuren und Kohärenz der Inszenierung bemängelt wurden. Dem wirkt bei der zweiten Arbeit von Kaufman und Gondry nun schon das Skript entgegen, das zweifellos Kaufmans bislang menschlichstes ist: Erzählt es doch von der Liebe und dem ganz normalen Beziehungsdrama und wagt sich trotz erneuter Umwege durch Gehirnwindungen und menschliche Fantasien erfreulicherweise ein Stück näher an die Realität.

"Character vs. Characterization", eine der goldenen Regeln, die Drehbuchguru Robert McKee in "Adaption" dem schreibblockierten Charlie Kaufman auf den Weg gibt, scheint der Autor zumindest bei den Protagonisten von "Vergiss mein nicht!" beherzigt zu haben. Joel (ein angenehm zurückhaltender Jim Carrey) und Clementine (Kate Winslet: so wechselhaft und furchtlos wie ihre Haarfarben) schlagen sich mit der quälenden Routine ihrer Beziehung herum, bis Clementine dem kurzerhand ein Ende setzt. Sie lässt alle Erinnerungen an Joel medizinisch ausradieren. Als Joel ausgerechnet am Valentinstag feststellen muss, dass seine Freundin ihn nicht mehr kennt, wendet er sich deprimiert an den Erfinder der sagenhaften "Heil-Methode", Dr. Mierzwiak (Tom Wilkinson), um seinerseits diese Demütigung und Clementine vergessen zu können. Während Dr. Mierzwiaks Team in Joels Tiefschlafphase dessen Träume an die Verflossene sukzessive von der Festplatte Gehirn löscht, flackern in chronologisch unsortierten Rückblenden die Höhen und Tiefen der Beziehung über die Leinwand. Gondry springt hemmungslos zwischen den Zeitebenen, und das Drehbuch schüttelt nach Lust und Laune Subplots aus dem Ärmel, die den Doktor und seine "Techniker" in den Mittelpunkt bringen: Den Liebe heuchelnden Patrick (Elijah Wood), der Joels Erinnerungsstücke an Clementine klaut, um selbst bei ihr zu landen, und dessen Kollegen Stan (Mark Ruffalo), der in Sprechstundenhilfe Mary (Kirsten Dunst) verknallt ist, die - wie sich herausstellt - die Erinnerungen an eine andere pikante Affäre ausradieren lassen hat. Als sich in Folge eines Computerfehlers in Joels Kopf plötzlich die Wahrnehmungsebenen vermischen, fällt dem Patienten auf, dass mit den schmerzhaftesten Erinnerungen auch die schönsten gemeinsam erlebten Momente verschwinden. Sein Unterbewusstsein rebelliert und startet den aussichtslosen Kampf gegen das Vergessen. Joel rast durch ein Labyrinth absurdester Gedankengänge, und die großartige Kamerafrau Ellen Kuras ("Blow") lässt die realistischen Bilder mit ihren ausgewaschenen freudlosen Farben auf dem Klangteppich von Jon Brion ("Punch-Drunk Love") surrealistisch verschmelzen: Da lösen sich Landschaften selbst auf, wehen Stranddünen durch Schlafzimmer, führen Freudsche Seitenwege direkt in die Kindheit von Joel, der vor dem Verlust seiner Identität flieht.

Während sich Kaufman mit seinem selbstreflexiven Drehbuch zu "Adaption" mit der Beschränkung von Kunst und Moral beschäftigte, geht es hier um eine positive Form von Kompromissen, die mit allem Schmerz zum Wesen von Beziehungen gehören. Wer will auf die quälenden Momente verzichten, wenn er damit die Liebe als Ganzes aufgeben muss? Wie schon bei "Human Nature" verirrt sich das Drehbuch auch hier auf halber Strecke auf der klinischen Seite, die wieder so verblüffend banal daherkommt wie alle Anspielungen auf Freud und Nietzsche, Alexander Pope (aus dessen Gedicht der Originaltitel stammt), das Kino von Ingmar Bergman oder Stanley Kubrick. Was wiederum daran liegen mag, dass der Autor in höchstem Maße intellektuell, seine Figuren jedoch höchstens Mittelmaß sind, und wiederum sämtliche Nebenfiguren lediglich Schachfiguren in dem von Michel Gondry ansonsten mit Begeisterung und großer handwerklicher Finesse erobertem gedanklichen Irrgarten bleiben. Jim Carrey und Kate Winslet als schlecht gelaunte, schlecht angezogene, unsympathische Nerds mit gebrochenen Herzen und befleckten Seelen wird das Publikum jedoch in nur zu guter Erinnerung behalten. cm.

Darsteller:  Jim Carrey   als Joel Barish
  Kate Winslet   als Clementine Kruczynski
  Kirsten Dunst   als Mary
  Mark Ruffalo   als Stan
  Elijah Wood   als Patrick
  Tom Wilkinson   als Dr. Howard Mierzwiak
  Thomas Jay Ryan   als Frank
  Jane Adams   als Carrie
  David Cross   als Rob
  Ryan Whitney   als Joel, Kind
  Lola Daehler   als Clementine, Kind
  Debbon Ayer   als Joels Mutter
  Deirdre O'Connell   als Hollis
 
Regie:  Michel Gondry  
Buch:  Charlie Kaufman  
Musik:  Jon Brion  
Kamera:  Ellen Kuras  
Produzent:  Steve Golin  
  Anthony Bregman  

Bernal dreht mit Gondry

Der Mexikaner Gael Garcia Bernal ist DER internationale Shooting-Star. Und für sein nächstes Projekt beweist er Mut zum Risiko - einmal mehr!

Shootingstar mit eigenem Kopf: Gael Garcia Bernal (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Shootingstar mit eigenem Kopf: Gael Garcia Bernal (Foto: Kurt Krieger)

Denn anstatt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, sucht Jungstar Gael Garcia Bernal unablässig nach weiteren Herausforderungen und wurde nun wieder fündig. Für Regisseur Michel Gondry wird er in "The Science of Sleep" vor der Kamera stehen. Und obwohl er dabei von namhaften Kollegen wie Charlotte Gainsbourg und Alain Chabat unterstützt wird, ist das Projekt bei weitem kein Selbstläufer.

Schließlich hat Gondry, obwohl er eine Legende unter den Videoclip-Regisseuren ist, im Kino noch nicht richtig Fuß gefasst. Sein "Human Nature" lief bei uns erst Jahre nach seiner Fertigstellung und "Vergiss mein nicht!" war trotz toller Kritiken wenig Erfolg beim Publikum beschieden.

Gebrochene Figuren statt Heldenrollen

Auf der anderen Seite ist Bernal bisher mit seiner Vorliebe für komplizierten Stoffe gut gefahren. Nach seinem Durchbruch "Amores perros" und dem sensationellen Erfolg mit "Y tu mama tambien" spielte er in der "Versuchung des Padre Amaro" erst einmal einen Priester, der ein junges Mädchen schwängert und zur Abtreibung zwingt. Nicht unbedingt eine Reverenz für die großen Blockbuster.

Und während Regisseure und Produzenten ihn drängten, doch einmal in die Rolle eines strahlenden Helden zu schlüpfen, gab Bernal lieber einen Transvestiten in Pedro Almodovars "La mala educación - Schlechte Erziehung". Nicht wenige Brachenkenner befürchteten, dass damit seine Karriere auch schon wieder vorbei sein könnte, ehe sie richtig begann.

Doch die glänzenden Kritiken straften alle Schwarzseher Lügen. Mit seiner Darstellung von Che Guevara in "Die Reise des jungen Che" (läuft im Oktober in Deutschland an) setzte Bernal ein weiteres Ausrufezeichen in einer komplexen Rolle.

Und so darf man auch in diesem Fall auf sein schier untrügliches Gespür für die richtigen Rollen hoffen. Gondry jedenfalls beschrieb die Story seines Filmes, als abgefahrenen, psychedelischen Abenteuertrip eines Mannes, der Kontrolle über seine Träume erlangt. Na, wenn's weiter nichts ist!

 

Vergiss mein nicht! in der Fotoshow

 

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