
Disneys Weihnachtskonfekt über eine Märchenprinzessin im realen New York ist zuckersüß, kunterbunt und macht unverschämt glücklich.
Einst mussten sich Märchenprinzessinnen vergifteter Äpfel erwehren. Heute ist es der Big Apple, der sie vor Bewährungsproben stellt. Beinahe unverschämt perfekt verpackt und geschnürt ist der große High-Concept-Weihnachtsfilm dieses Jahres aus dem Hause Disney, mit dem "Tarzan"-Regisseur Kevin Lima in seiner zweiten Live-Action-Arbeit für die große Leinwand Erinnerungen an unschuldige Family-Entertainment-Klassiker wie "Mary Poppins" und "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" weckt und gleichzeitig auf den großen "Pretty Woman"-Effekt hofft: So wie damals Julia Roberts das Herz des Publikums im Sturm nahm, ist es die bezaubernde Stupsnase Amy Adams, die nach Nebenrollen in Filmen wie "Ricky Bobby" oder "Catch Me If You Can" und ihrem beachteten Auftritt in "Junebug" hier als unbedarfte Prinzessin Giselle ihr Coming Out als waschechter Star haben darf.
Nach einer zehnminütigen Eröffnungsequenz im Märchenland, in der Lima seine Erfahrung als versierter Zeichentrickfilmspezialist ausspielen darf, wird Giselle, die doch eigentlich nichts anderes wollte, als mit ihrem Traumprinz Edward den Kuss der wahren Liebe auszutauschen, von der bösen Stiefmutter Edwards in die reale Welt gezaubert, bzw. den New Yorker Times Square - ausgerechnet in die Hauptstadt der Abgebrühten und Zyniker, in der das Glücklichsein bis ans Lebensende eine bloße Illusion ist. Dort landen alsbald noch Edward, ein keckes Erdhörnchen, das opportunistische Faktotum Nathaniel und schließlich auch die Stiefmutter, die ihre eigenen Abenteuer erleben müssen, während Giselle das Leben des Workaholics Robert und seiner sechsjährigen Tochter durcheinanderwirbelt und sein Herz nach und nach zum Schmelzen bringt, obwohl er eigentlich einer Anderen versprochen ist.
All das ist ein wunderbarer Rahmen für flotte Gags, hinreißende Musicalnummern, ein paar nette Effekte und natürlich Romantik bis zum Abwinken. Nicht alles funkioniert auf dem Weg zum Happyend, bei dem jedes Töpfchen sein Deckelchen erhält - so viel Märchen muss sein, auch wenn man die Form parodiert: Susan Sarandon wirkt als böse Narissa wie die Ausgeburt einer Drag Queen from Hell, der Showdown will sich mit "King Kong" messen und zieht zwangsläufig den Kürzeren. Aber all das ist Nebensache, denn dies ist Amy Adams' Show, die wie eine Naturgewalt durch den Film wirbelt und tanzt und strahlt, als würde man die legitime Nachfolge von Julie Andrews nur dann antreten können, wenn man gute Laune für Zehn verbeitet. Patrick Dempsey in seiner ersten großen Kinorolle seit dem TV-Durchbruch mit "Grey's Anatomy" macht es Richard Gere in "Pretty Woman" nach: Er ist ganz Gentleman und tritt zur Seite, um dem weiblichen Star den Vortritt zu lassen. Nichts ist echt in "Verwünscht", alles ist bloße Fantasie hart am Rand zum Kitsch und manchmal darüber hinaus, aber Amy Adams strahlt eine Wahrhaftigkeit und Wärme aus, die gerade zur Weihnachtszeit unwiderstehlich ist. ts.