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Vincent will meer

Witziges und pfiffiges Roadmovie über einen am Tourette-Syndrom leidenden jungen Mann, der seiner Mutter den letzten Wunsch erfüllen und ihre Asche nach Italien ans Meer bringen will.


Vincent will meer

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Erhältlich seit:
22.10.2010

Drama/ Komödie

Deutschland 2010
Laufzeit: 95 Min.
FSK: ab 6

Florian David Fitz
Karoline Herfurth
Heino Ferch

Regie: Ralf Huettner
Highlight Communications (Deutschland)

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Vincent will meer

Vincent leidet am Tourette-Syndrom. Als seine Mutter stirbt, will er ihr ihren letzten Wunsch, einmal noch das Meer zu sehen, erfüllen. Mit ihrer Asche in einer Bonbondose flieht er aus seinem Pflegeheim und macht sich im von der Heimleiterin geklauten Auto auf den Weg nach Italien. Begleitet wird er von einer magersüchtigen jungen Frau und einem Zwangsneurotiker. Verfolger lassen nicht lange auf sich warten: Die Heimleiterin und Vincents Vater setzen alles daran, den Ausreißer zu stellen. Beginn eines turbulenten Abenteuers.

Mit der RTL-Serie "Doctor's Diary" wurde er bekannt, mit "Männerherzen" gab er eine erste Visitenkarte im Kino ab: Nach einem von ihm selbst verfassten Drehbuch spielt Florian David Fitz nun seine erste Kinohauptrolle - und landete einen Volltreffer. Unter der innovativen und gut geölten Regie von Ralf Huettner entwickelt sich ein ungewöhnlich witziger und pfiffiger Film, der all seinen Protagonisten, neben Fitz u. a. noch Karoline Herfurth und Heino Ferch, in bester Roadmovie-Manier eine Lebenslektion mit auf den Weg gibt.

Vincent will meer

Drei junge Psychiatrie-Patienten brechen aus der Klinik aus und starten eine abenteuerliche Reise ins wirkliche Leben.

Geistiges Anderssein ist ein heikles Filmthema, auch wenn Barry Levinsons "Rainman" mit Dustin Hoffman als Autist eine Bresche schlug. Psychiatrie-Patienten oder Menschen in Therapie haftet trotz allem oft noch ein "Makel" an. Den wischt Ralf Huettner in dieser Tragikomödie leichtfüßig weg. Gleich um drei Psychiatrie-Patienten geht es hier, der Hauptfigur Vincent, einem an Tourette erkrankten jungen Mann, einer renitenten Magersucht-Patientin und einem Zwangsneurotiker. Sie hauen gemeinsam einfach ab aus der Klinik, schnappen sich das Auto der Therapeutin und fahren gen Süden, ein Trio mit Macken.

Hauptdarsteller Florian David Fitz schrieb das Drehbuch und schafft es, nach einem anfänglichen kurzen Schockmoment Interesse beim Zuschauer zu wecken. Das Tourette-Syndrom äußert sich durch motorische und verbale Tics, wie unkontrollierte Bewegungen und Geräusche, oft Flüche und obszöne Bemerkungen. Der exzessive Ausbruch von Vincent bei der Beerdigung der Mutter bringt den Vater und Lokalpolitiker dazu, ihn in die nächstbeste Klinik zu stecken. Der Fluchtversuch passt ihm überhaupt nicht in den Wahlkampf-Plan und mit der Therapeutin folgt er den Flüchtigen, die ihn immer wieder austricksen.

Ralf Huettner verknüpft die Zutaten des klassischen Roadmovies mit denen eines Vater-Sohn-Konfliktes und fährt auf beiden Gleisen gut, auch wenn die Überzeichnung der erwachsenen Charaktere überflüssig ist, wie auch deren Zusammenstoß mit der italienischen Polizei. Huettner respektiert die Figuren, ohne auf ihre Kosten Lacher einzufahren, die Ausreißer sind liebenswerte Außenseiter, Florian David Fitz - weit weg vom Macho Dr. Marc Meier in der Arzt-Serie "Doctor's Diary" oder vom erfolgreichen Werbefuzzi in "Männerherzen" - zeigt sich sensibel und verletzbar, dickköpfig um Akzeptanz kämpfend. Karoline Herfurth überzeugt als junge Frau, die sich vor der Wirklichkeit in Magersucht flüchtet und Johannes Allmayer läuft als nerviger Zwangsneurotiker zu Hochform auf. Streckenweise erinnert "vincent will meer" im Mix aus Traurigkeit und Heiterkeit etwas an "Knockin' on Heaven's Door", nicht nur wegen des beliebten Filmtopos Meer als Sehnsuchtssymbol. mk.

Darsteller:  Florian David Fitz   als Vincent
  Karoline Herfurth   als Marie
  Heino Ferch   als Vincents Vater
  Katharina Müller-Elmau   als Dr. Rose
  Johannes Allmayer   als Alexander
  Karin Thaler   als Monika
  Tim Seyfi   als Carabinieri
  Christoph Zrenner   als Tankwart
  Butz Buse   als Tankwart
  Ulrich Boris Pöppl   als Pfarrer
 
Regie:  Ralf Huettner  
Buch:  Florian David Fitz  
Musik:  Stevie B-Zet  
  Ralf Hildenbeutel  
Kamera:  Andreas Berger  
Produzent:  Harry Kügler  
  Viola Jäger  

"Leicht erzählen und tief gehen"

Nach einem Drehbuch von Hauptdarsteller Florian David Fitz ("Doctor's Diary) filmt Ralf Huettner ein ungewöhnliches Trio, für das eine Reise ans Meer zum Selbstfindungstrip wird. Im Interview berichtet er von einem schwierigen Dreh.

"vincent will meer" ist ein sensibles kleines Kunstwerk, in dem es viel zu lachen gibt, und das zugleich Tiefe bietet, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. (Foto: Constantin) Großansicht

"vincent will meer" ist ein sensibles kleines Kunstwerk, in dem es viel zu lachen gibt, und das zugleich Tiefe bietet, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. (Foto: Constantin)

Wie war Ihre Herangehensweise an die Darstellung des Tourette-Syndroms, unter dem die Hauptfigur leidet?
RALF HUETTNER: Erst mal hatte sich Florian David Fitz wegen des Drehbuchs zu "vincent will meer" schon lange mit der Krankheit beschäftigt. Und im Endeffekt ist die Symptomatik relativ simpel. Es gibt ein paar Bewegungen und diese oftmals ordinären Worte. Das war also nicht der Punkt. Der Punkt war immer: Wie weit können wir es benutzen? Also, wie weit ist es lustig? Oder geht es einem nicht irgendwann auf die Nerven? Das war schwierig. Wir haben beim Drehen genau darauf geachtet, dass wir verschiedene Varianten haben.

War es so wichtig, dass es auch lustig blieb?
Ja, ich denke schon. Sonst erträgt man es nicht. Das gilt auch für die anderen Erkrankungen, wie die Zwangsneurosen. Wie äußert sich das? Wir haben uns wirklich Szene für Szene erarbeiten müssen - was daran zwangskrank ist und was daran vielleicht lustig oder was einfach nur blöd ist.

Je mehr sich der Film der Krankheit Anorexie zuwendet, desto ernster wird er.
Das Thema ist viel ernster. Es ist aber auch bei allen Dramödien so: Am Anfang sind sie alle etwas lustiger und hinten raus, wenn die eigentlichen Themen kommen, kann es nicht mehr so lustig sein. Das liegt, glaube ich, am Genre.

Der Film tut sich auch bei einer Lösung für die magersüchtige Marie, im Gegensatz zu Vincent, schwerer.
Ein Happy End hätte die Figur total verraten. Ich finde, es gibt nichts Schlimmeres, als Filme, die ein Problem ernsthaft angehen und mir hinterher eine Lösung anbieten, bei der ich das Gefühl habe, die will ich gar nicht, weil ich spüre, sie stimmt nicht.

War der Aspekt des Road-Movies etwas, das Sie an dem Projekt interessierte?
Road-Movie klingt immer so toll, aber letztlich ist es sehr stressig. Ich hatte eher Schiss davor. Die ganze Zeit im Auto, was macht man da? Wir haben also versucht, alle Möglichkeiten, die sich uns auch finanziell boten, zu nutzen. Aber es ist nicht so, dass es wahnsinnig viel Laune macht, im Auto zu drehen. Wir haben auch versucht, aus der Metapher der Reise ans Meer kein großes Thema zu machen, sondern es eher en passant zu erzählen.

Wie lief der Dreh?
Wir hatten wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Aber der Dreh war anstrengend, auch ein bisschen, da ich zum ersten Mal den Drehbuchautor als Schauspieler dabei hatte. Das war auch für Florian David Fitz kompliziert. Da gab es ab und zu Reibungen, die aber auch gut waren. Wir wollten ziemlich viel.

Sie arbeiten sowohl fürs Kino als auch fürs Fernsehen.
Ja, das ist in Deutschland so. Man kommt dem Fernsehen nicht aus.

Das klingt etwas bedauernd.
Ja. Fernsehen ist gerade schon sehr mutlos. Und um es mutiger zu machen, braucht man natürlich Partner. Momentan schauen alle auf die Quote - nicht anecken und nichts falsch machen. Schauen Sie sich die ganzen Amphibienfilme an. Das ist alles ein Mischmasch, nur um keine Fehler zu machen.

Wie geht es weiter bei Ihnen?
Es gibt die Idee, "Musterknaben 4" fürs Kino zu machen. Dann gibt es ein schönes Projekt, auch fürs Kino, das heißt "Die Kunst des Wünschens". Es ist ein Film, der sich mit der Methodik, sich etwas zu wünschen, um glücklich zu werden, auseinandersetzt. Das dramatisiert, ist eine sehr schöne Geschichte, eigentlich über die Jetztzeit.

Auch diese Projekten werden Ihren typischen humoristischen Touch haben?
Ich denke schon. Das mache ich am liebsten. Wenn man leicht erzählt, dann kann man auch tief gehen ohne aufzusetzen. Ich möchte lachen im Kino und ich möchte auch weinen. Vielleicht will ich zu viel, aber das wäre mir am liebsten. Und ich möchte vor allem gute Musik im Kino haben.

 

Vincent will meer in der Fotoshow

 

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