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Wag the Dog

Ein "Dr. Seltsam" für die Neunziger. Zynisch-nihilistische Polit- und Mediensatire.


Wag the Dog

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Erhältlich seit:
05.11.2010

Satire

USA 1997
Laufzeit: 93 Min.
FSK: ab 12

Dustin Hoffman
Robert De Niro
Anne Heche

Regie: Barry Levinson
Warner Home Video Germany

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Wag the Dog

Als wenige Tage vor der Wahl bekannt wird, daß sich der US-Präsident auf eine Affäre mit einer minderjährigen Pfadfinderin eingelassen hat, ist seine Wiederwahl gefährdet. Gemeinsam mit Beraterin Winifred Ames versucht Krisenstabsmitglied Conrad Brean vom Skandal abzulenken. Deshalb beauftragt Brean den Hollywood-Produzenten Motss, einen spektakulären TV-Krieg zu inszenieren. Die beispiellose Manipulationsmaschinerie funktioniert perfekt - denn plötzlich steigen die Sympathien für den Präsidenten wieder ins Unermeßliche.

Kaum ein Film hat die Realität so unbarmherzig entlarvt und gleichzeitig so gnadenlos auf die Spitze getrieben wie Barry Levinsons bitterböse und Oscar-nominierte Polit- und Mediensatire, die auf der Berlinale '98 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Die Adaption von Larry Beinharts Roman "American Hero" verblüfft durch messerscharfen Wortwitz, exzellente Kamera-Arbeit (Richard Richardson, "Der Pferdeflüsterer") und grandiose darstellerische Leistungen von Robert de Niro, Dustin Hoffman und Anne Heche. Das ultimative Meisterwerk zum aktuellen Skandal, das man einfach gesehen haben muß.

Wag the Dog

Ein "Dr. Seltsam" für die 90er: ausgerechnet zur Jahreszeit der wohlintentionierten Humanitätsepen (siehe "Amistad", "The Boxer", "Good Will Hunting" etc.) läßt New Line diese vernichtend zynische Polit- und Mediensatire über einen vorgetäuschten Krieg Amerikas mit Albanien, der dem Präsidenten die gefährdete Wiederwahl sichern soll, vom Stapel. Ein hündischer Schnellschuß, von Barry Levinson während des Produktionslimbos von "Sphere" nach einem Drehbuch von David Mamet binnen vier Wochen mit einem Budget von 15 Mio. Dollar heruntergerissen, der vor allem dann besonders bissig und tollwütig wird, wenn Dustin Hoffman die Szenerie betritt. Sein aberwitziges Porträt eines mit allen Wassern gewaschenen Hollywood-Produzenten - Hoffmans beste Leistung in diesem Jahrzehnt - ist der Adrenalinstoß, der "Wag the Dog" zur Komödie der Saison macht.

Wie ein bösartiger Bruder von "Bob Roberts" macht sich dieser für Hollywood-Verhältnisse geradezu radikal-nihilistische Rundumschlag im Jahr Sieben nach dem Golfkrieg daran, Oliver Stones Verschwörungsparanoia wie harmoniebedürftige Pazifismusmanifeste anmuten zu lassen. Nichts ist heilig, wenn Barry Levinson - im Stil zwischen Stones fiebrigem Deliriumkino und der Banalität des Reality TV schwankend - den Schwanz mit dem Hund wedeln läßt. Immer bereit, eloquent Seitenhiebe gegen Clinton, Reagan und die verlogene Berichterstattung von der Irakfront auszuteilen, bereitet er die Bühne für die zwei Vollprofis Hoffman und Robert De Niro, die dem Präsidenten höchstselbst aus einer Bredouille helfen sollen - und als Schauspieler sichtbaren Spaß daran haben:

Nur elf Tage vor den Wahlen wird das Staatsoberhaupt von einer Anschuldigung eingeholt, er habe sich einer Besucherin des Oval Office, obendrein minderjährig, sexuell aufgedrängt. De Niro als völlig amoralischer Spin Doctor für Politkrisen aller Art weiß das Rezept, um den Skandal abzuwenden: die Öffentlichkeit muß mit einem Krieg abgelenkt werden. Da gerade kein Konflikt greifbar ist, bleibt nichts anderes übrig, als einen zu inszenieren. Bühne frei für den Hollywood-Produzenten Stanley Motss, mit dessen Auftritt "Wag the Dog" abhebt.

Braungebrannt, mit gelackter Haartolle und voller Showbiz-Weisheiten erinnert Hoffman vor allem an den einstigen Paramount-Studiochef und "Chinatown"-Produzenten Robert Evans, doch der ist nur Ausgangskoordinate für ein furioses Porträt eines Hollywood-Players alter Schule, der einem trotz aller Glattheit, Amoral und Verachtung des eigenen Publikums ans Herz wächst - so daß sein Fall am Ende des Films durchaus auch schmerzt. Amerikas Krieg mit Albanien ("Warum Albanien?" - "Warum nicht?") bereitet Stanley vor, als müsse er die Marketingkampagne seines nächsten Blockbusters ausarbeiten. Mit kindlichem Vergnügen werden patriotische Lieder (der Titelsong zum Krieg!) komponiert, Aufnahmen vom Kriegsschauplatz im Studio nebenan fabriziert und ein guter amerikanischer Held (Woody Harrelson) erfunden, der sich als gemeingefährlicher Psychopath entpuppt, als er der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

Anders als "Dr. Seltsam" sucht "Wag the Dog" sein Heil nicht in der Apokalypse. Die Zeiten haben sich geändert. Aber die unzögerliche Bereitschaft, mit der David Mamets brillantes Buch die absolute Regentschaft des Fernsehens über das amerikanische Leben anerkennt, ist kaum minder erschreckend. Diese Realisation wird goutierbar gemacht von einer Galavorstellung zweier Superstars, die nie besser waren. Während der eine (Hoffman) Vollgas gibt, hat der andere (De Niro - so gut und zurückhaltend wie in "Jackie Brown") die Größe, seinem Kollegen die Bühne zu überlassen - und selbst über dessen wunderbare Darstellung zu staunen. Über sie wird bei der Berlinale gesprochen werden. ts.

Wag the Dog

Als der Präsident zwei Wochen vor der Wiederwahl in einen Sexskandal gerät, zieht Conrad Brean (Robert De Niro), der PR-Guru und Ausputzer des Weißen Hauses, seine Strippen und engagiert Hollywood-Produzent Stanley Motss (Dustin Hoffman), um im Fernsehen einen fiktiven Krieg zu inszenieren. Regisseur Barry Levinson verfilmte Hilary Henkins und David Mamets Drehbuch als beißende Satire auf die amerikanische Politik und ihr Verhältnis zu den Medien, das wir heutzutage als völlig normal empfinden.

Quelle: Warner Home Video

Audiokommentar
Dokumentation
Featurette
US-Kinotrailer

Quelle: Warner Home Video

Darsteller:  Dustin Hoffman   als Stanley Motss
  Robert De Niro   als Conrad Brean
  Anne Heche   als Winifred Ames
  Woody Harrelson   als Sgt. William Schumann
  Denis Leary   als Fad King
  Willie Nelson   als Johnny Green
  Andrea Martin   als Liz Butsky
  Michael Belson   als Präsident
  Suzanne Cryer   als Amy Cain
  John Michael Higgins   als John Levy
  Suzie Plakson   als Grace
  Kirsten Dunst   als Tracy Lime
  William H. Macy   als Mr. Young
  Craig T. Nelson   als Senator Neal
 
Regie:  Barry Levinson  
Buch:  Hilary Henkin  
  David Mamet  
Musik:  Mark Knopfler  
  Willie Nelson  
Kamera:  Robert Richardson  
Produzent:  Jane Rosenthal  
  Robert De Niro  
  Barry Levinson  

De Niro als Waffenschieber

Als Verbrecher ein Ass:<br />Robert De Niro

Als Verbrecher ein Ass:<br />Robert De Niro

Robert De Niro auf die Rolle des Bösewichts festzulegen, ist sicherlich falsch. Der Hollywoodveteran bewies mehr als einmal seine schauspielerische Vielfältigkeit: So machte er in Komödien ("Wag The Dog"), als ständig bekiffter Killer ("Jackie Brown") oder auch als Boxchampion ("Wie ein wilder Stier") eine gute Figur.

Und doch gehören seine Rollen als abgebrühter Gangsterboss zu den absoluten Sternstunden des amerikanischen Kinos. Glanzvolle Auftritte in Blockbustern wie "Casino", "Heat" und "Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia" sprechen eine eindeutige Sprache. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass der Ausnahmedarsteller für seine Leistung als Familienoberhaupt eines Mafiaclans in "Der Pate II" mit einem Oscar belohnt wurde.

Jetzt landet das Schauspiel-Chamäleon seinen nächsten Verbrecher-Coup. In "Rule Number Three" gibt De Niro einen arroganten Waffenhändler, der alles fest im Griff zu haben scheint. Doch dann setzt eine konkurrierende Unterweltorganisation einen Killer auf ihn an - mit dem Auftrag, ihn Demut zu lehren.

Neben der Rolle des Hauptdarstellers konnte auch der Regiestuhl bereits besetzt werden. Rob Bowman, dessen neuer Film "Die Herrschaft des Feuers" im Dezember in den deutschen Kinos startet, inszeniert den actiongeladenen Thriller.

Wer neben De Niro in weiteren Rollen zu sehen ist, steht noch nicht fest.

 

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