
Mit einer Parodie auf dramatische Musikerbiografien landen Comedyking Judd Apatow und Regisseur Jake Kasdan einen verdienten Hit.
Mit simplem Konzept erreichen die Autoren Apatow und Kasdan maximalen Effekt. Furchtlos wird mit dem erzählerischen Faden von "Walk the Line" die Biografie der fiktiven Musiklegende Dewey Cox gesponnen, seriös werden trotz albern-absurder Einschübe die Stationen eines unglaublichen Lebens nachgespielt. Parodie pseudoernsthaft präsentiert - das ist klassische Gagschule. Auch formal blieben die Filmemacher dieser Linie treu, drehten in Cinemascope und setzten optische Akzente, wo das Genre üblicherweise eher Achtlosigkeit demonstriert. Und auch musikalisch folgt man dieser Strategie. Die eigens für den Film geschriebenen Songs sind solide und seriös, während in den Texten, in denen Duette als verschlüsselte Vorspiele geoutet werden ("Let's duet" aka "Let's do it") und Mitgefühl für Zwerge offenbart wird, absurde Komik bummeln geht.
Der Plot umspannt mehrere Jahrzehnte, vom folkigen Farmleben in den Vierzigern bis hin zum späten Cox-Comeback, bei dem sich Rap und Country denkwürdig begegnen. Zunächst einmal wird der Grundstein gelegt für ein schreckliches Trauma, als der sechsjährige Dewey seinen älteren Bruder mit einer Machete halbiert - unabsichtlich natürlich. Damit verliert er neben dem Bruder und dem Vater, der ihn lebenslang verachtet, mysteriöserweise auch seinen Geruchssinn. Mit 14 begeistert er erstmals auf einer Talentshow mit seiner Teufelsmusik. John C. Reilly ("Ricky Bobby- König der Rennfahrer") spielt mit 42 selbst das Boywonder, wie auch die 34-jährige Kristen Wig seine 12-jährige Freundin, die schließlich seine Frau wird. Fünf Kinder später, nach der obligatorischen Aufstiegs- und Glücksmontage, lernt Cox Marihuana kennen - Auftakt eines Running Gags, der durch die Drogenhierarchie bis hin zum Crack führt. Selbstredend gibt es auch eine anständige Partysequenz, in der nackte Groupies, aber auch männliche Geschlechtsteile provokativ herumhängen. Und wie erwartet, kann auch Dewey nicht treu sein, verlässt Frau und Kids für Sängerin Darlene (Jenna Fischer) - seine große Liebe, die seine Abstürze irgendwann auch nicht mehr ertragen kann und Glenn Campbell heiratet. Als Dewey 22 Kinder hat und in sich endlich den Vater entdeckt, kehrt Darlene zurück - wohl auch, weil Cox jetzt Campbell ähnelt. Der Film ist voll mit solchen komischen Details, zeigt auch ein Treffen mit den Beatles, in dem drei Pilzköpfe wie ihre Vorbilder aussehen, Paul McCartney aber einfach nur Jack Black ist. Und wer glaubt, hier würden in Abwesenheit von Will Ferrell, der sonst für diesen Stunt zuständig ist, keine Männer in weißen Unterhosen durch die Stadt laufen, muss umdenken. Es gibt viele Highlights in dieser Komödie, darunter vor allem Reilly, der Orbisonesk selbst singt. Der Titel ist natürlich auch Täuschung, den "Walk Hard" ist vor allem eines: easy-going. kob.