
Die neue No-Budget-Produktion des ehemaligen Filmkritikers HC Blumenberg ist weniger bissige Mediensatire als pointierte Beziehungskomödie mit illustrer Besetzung.
Auch wenn der einstige Filmkritiker Hans-Christoph Blumenberg als Regisseur von "Tatort"-Folgen und Polit-Dokumentationen inzwischen im Fernsehen eine Heimat gefunden hat, kann er doch nicht vom Kino lassen. Alle Jubeljahre lässt der Filmemacher, der 1984 mit seinem Peep-Show-Krimi "Tausend Augen" ein fulminantes Debüt hinlegte, einen für die große Leinwand raus. Meist der satirischen Sorte wie die Komödien über die RAF ("Rotwang muss weg") oder das Sci-Fi-Genre ("Planet der Kannibalen"). "Warten auf Angelina" bildet da keine Ausnahme. Dieses Mal macht sich Blumenberg über die Prominenten-Hysterie der Medien lustig und lässt zwei junge Männer in einer Berliner Dachgeschosswohnung aufeinander treffen, die beide das gleiche Ziel, aber andere Beweggründe haben. Während das Landei Momme (Kostja Ullmann) lediglich bei seiner Freundin mit einem Foto von Brad Pitt und Angelina Jolie, die Gerüchten zufolge jeden Moment in der Bundeshauptstadt erwartet werden, Eindruck schinden will, wittert Parade-Paparazzo Maik Tremper (Florian Lukas) den Coup seines Lebens. Denn der erste Schnappschuss von Brangelina würde ihn über Nacht stinkreich machen. Doch das Warten auf die Hollywood-Stars verläuft nicht ungestört. Das Luxus-Apartment des Promi-Zahnarztes Katelbach, zu dem sich die zwei illegal Zugang verschafft haben, wird von einer ganzen Reihe weiblicher Wesen unterschiedlichster Couleur heimgesucht. Ob rassige Geliebte (Barbara Auer) des Dental-Experten oder kunstbeflissene GEZ-Gebühren-Kassiererin (Leslie Malton), ob Blumen gießende Studentin mit resoluter Schwester oder kickboxende Pizza-Lieferantin (Jana Pallaske als Angelina-Klon) - sie alle bringen das (Liebes-)Leben der beiden Jungs gehörig durcheinander.
"Warten auf Angelina" ist ein Schnellschuss, und so sieht die No-Budget-Produktion auch ein bisschen aus. Mit einem aus "friends & family" rekrutierten Miniteam hat Blumenberg die nicht ganz ausgereifte Idee zu einer Medien-Satire in ein Zwei-Personen-Stück transferiert. Dabei ist "Warten auf Angelina" prall gefüllt mit Anspielungen wie der Titel (inhaltlich wie inszenatorisch: "Warten auf Godot"), der Name des Fotografen (eine Hommage an den Regisseur Will Tremper) oder der Name des Zahnarztes, der dem Polanski-Film "Wenn Katelbach kommt" Ehre erweist. Doch hätte man sich dieses hochaktuelle Thema insgesamt etwas böser, bissiger, beinharter umgesetzt gewünscht. Mehr Spaß macht Blumenbergs Werk als Beziehungskomödie, was sowohl dem seit "Stellungswechsel" eingespielten Duo Florian Lukas/Kostja Ullmann als auch den vielen aparten Damen von blutjung (Anna Brüggemann) bis gereift ("Die flambierte Frau" Gudrun Landgrebe) zu verdanken ist. lasso.