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Wenn der Nebel sich lichtet

Vielschichtiges Krimi-Drama und Kleinstadt-Porträt, in dem drei Menschen auf einer verlassenen Insel ums Überleben kämpfen.


Wenn der Nebel sich lichtet

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Erhältlich seit:
08.02.2000

Originaltitel: Limbo

Drama

USA 1999
Laufzeit: 122 Min.
FSK: ab 12

Mary Elizabeth Mastrantonio
David Strathairn
Vanessa Martinez

Regie: John Sayles
Sony Pictures Home Entertainment (SPHE)

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Wenn der Nebel sich lichtet

Der Ex-Fischer Joe Gastineau leidet immer noch unter den Folgen eines Bootsunglücks, bei dem vor Jahren einer seiner besten Freunde ertrunken ist. Seitdem hat sich Joe nicht mehr aufs Meer hinausgewagt und verdient seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs. Als die Sängerin Donna in sein Leben tritt, scheint ein Neuanfang möglich. Da taucht unvermutet Joes Halbbruder Bobby auf und bittet ihn um einen Gefallen, der sich als lebensgefährlich herausstellt und das Leben der drei Menschen entscheidend verändert...

Auch in seinem 12. Spielfilm beweist John Sayles ("Lone Star"), den es diesmal in die unberührte Wildnis Alaskas verschlagen hat, daß er zu den versiertesten Geschichtenerzählern des US-amerikanischen Kinos gehört. Faszinierende Figuren, lebensnahe Situationen und eine förmlich greifbare Echtheit der Ereignisse bilden den Kern dieses komplexen Dramas, das sich unvermittelt in eine packende Robinsonade verwandelt. Mit David Strathairn, Kris Kristofferson und Mary Elizabeth Mastrantonio sehr gut besetzt, empfiehlt sich dieser Wettbewerbsbeitrag von Cannes eher einem Filmkunst-orientierten Publikum.

Wenn der Nebel sich lichtet

Es gibt wohl kaum einen besseren "storyteller" als John Sayles. Mit seinem 12. Film legt er, wiederum unterstützt von der brillanten Kamera des Oscar-Preisträgers Haskell Wexter, ein episches Meisterwerk in der Tradition großer amerikanischer Romane vor, das sich dieses Jahr im Wettbewerb in Cannes gut behaupten sollte.

Wiederum beschränkt sich Sayles, der als Regisseur, Autor und für den Schnitt verantwortlich zeichnet, in seiner Filmerzählung auf das, was er am besten kann: Er nimmt sich einen Ausschnitt aus dem Leben verschiedener Menschen vor und kreuzt ihre Geschichten. Diesmal siedelt er seinen Plot, eine Mischung aus spannendem zwischenmenschlichem Drama, Krimi und Sozialstudie, in einer entlegenen Gegend Alaskas an - und macht wie schon in "Matewan", "Passion Fish" und "Lone Star", den Ort zu einem eigenständigen Handlungsträger.

Drei Menschen sind sich gerade erst begegnet und plötzlich auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Jeder von ihnen hat seine eigenen Dämonen zu bekämpfen. Und doch meistern sie diese Situation des Ausgesetztseins in der Wildnis und gleichzeitig Einander-Ausgeliefertseins mit soviel Menschlichkeit, wie man sie lange nicht im Kino gesehen hat.

Da ist Joe (David Strathairn), ein leidenschaftlicher Fischer, der nach einem Bootsunfall mit tödlichem Ausgang das Meer meidet und sich mit kleinen Jobs begnügt. Und da ist Donna (Mary Elizabeth Mastrantonio), eine Sängerin, die mit ihrer Tochter für einige Auftritte in die Stadt kommt. Donna ist immer in Bewegung, zieht von einem Engagement und einem Mann zum nächsten - sehr zum Leidwesen ihrer Tochter.

Wie es John Sayles gelingt, diese an sich schon interessanten menschlichen Dramen in einen Thriller um den kleinkriminellen Bobby, Joes Halbbruder, zu verwandeln, ist schlicht genial. Bobby hat die Drogen-Mafia am Hals, wird getötet und zwingt Joe, Donna und ihre Tochter zur Flucht auf eine gottverlassene Insel in Alaska. In der Zwangsgemeinschaft dort brechen Verkrustungen auf, die drei lernen, sich zu vertrauen und wachsen zu einer Art Urfamilie zusammen. Ob das Ende, wie zu Beurteilen Sayles in radikaler Art dem Zuschauer überläßt, gut oder böse ausfällt, ist bei dieser vielschichtigen Sozial- und Charakterstudie letztendlich egal.

Kameramann Wexler zeigt in seiner dritten Zusammenarbeit mit dem Regisseur, daß ihre Visionen übereinstimmen, Kameraführung und Erzählstruktur sich wunderbar ergänzen. Vor allem in den fast dokumentarischen Schilderungen der Lebensumstände in der einst blühenden Goldgräber- und Fischerstadt, der nur noch der Glanz vergangener Tage bleibt, und im Blick auf die schöne, aber gnadenlose Natur.

Alle Darsteller geben eine fantastische Performance, vor allem Vanessa Martinez, die in "Lone Star" ihr Filmdebüt gab, als verletztes Kind, das unter den Folgen einer dysfunktionalen Familie zu leiden hat. Kris Kristofferson hat einen sympathischen Auftritt als zwielichtiger Smilin' Jack, der Mann, der am Ende den Tod oder die Erlösung bringt. Der Soundtrack, zu dem Bruce Springsteen einen Song beisteuerte, ist geprägt von der hinreißenden Stimme Mastrantonios, die eine zweite Karriere als Sängerin starten könnte. Der Film, dessen Titel sowohl auf einen akrobatischen Tanz unter einer Querstange hindurch als auch auf eine Situation mit unvorhersehbarem Ausgang verweist, bewegt sich zwischen den Polen Hoffnung und Risiko. Vor allem das ungewöhnliche und sehr mutige Ende, das ein Teil des Publikums verübeln wird, vermittelt eine neue Erfahrung, die man auf keinen Fall versäumen sollte. boe.

Darsteller:  Mary Elizabeth Mastrantonio   als Donna De Angelo
  David Strathairn   als Joe Gastineau
  Vanessa Martinez   als Noelle de Angelo
  Casey Siemaszko   als Bobby Gastineau
  Leo Burmester  
  Kathryn Grody  
  Kris Kristofferson  
  Michael Laskin  
  Rita Taggart  
 
Regie:  John Sayles  
Buch:  John Sayles  
Musik:  Mason Daring  
Kamera:  Haskell Wexler  
Produzent:  Sarah Connors  
  Maggie Renzi  
 

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Features

 

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