DVD Leihvideo

Wer früher stirbt ist länger tot

In Oberbayern angesiedelte Brautschau eines Elfjährigen für seinen Vater. Zwischen Coming-of-Age und Komödienstadl.


Wer früher stirbt ist länger tot

Leihvideo

Erhältlich seit:
22.02.2007

Komödie

Deutschland 2006
Laufzeit: 101 Min.
FSK: ab 6

Markus Krojer
Fritz Karl
Jule Ronstedt

Regie: Marcus H. Rosenmüller
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In Oberbayern angesiedelte Brautschau eines Elfjährigen für seinen Vater. Zwischen Coming-of-Age und Komödienstadl.

Sebastian will seinen Vater verkuppeln (Foto: Movienet) Großansicht

Sebastian will seinen Vater verkuppeln (Foto: Movienet)

Als der junge Sebastian (Markus Krojer) erfährt, dass die Mutter bei seiner Geburt gestorben ist, löst das Schuldgefühle und Albträume aus. Vor allem aber macht sich der Wunsch breit, sich vor dem Fegefeuer zu retten - am besten durch ewiges Leben.

Die tote Mama wird am Grab um ein Zeichen gebeten, woraufhin auch prompt ein Vogel am Himmel auftaucht, der auf Sebastians Haupt kackt. Die Stammtischbrüder geben dem Jungen noch den äußerst wertvollen Tipp, seinem völlig überarbeiteten Papa doch eine neue Frau zu suchen. Daran hält er sich und macht sich auf Brautschau.

Eine Braut muss her - aber vielleicht doch eine andere (Foto: Movienet) Großansicht

Eine Braut muss her - aber vielleicht doch eine andere (Foto: Movienet)

Deftig bayerisch

Derber Humor, hemdsärmelige Handgreiflichkeiten und hundsgemeiner Hintersinn bestimmen das erfrischende Langspielfilmdebüt vor bayerischer Bilderbuchkulisse, in dem Marcus H. Rosenmüller spielerisch die Genres vermengt.

Coming of Age trifft Komödienstadl in einer zwischen Himmel und Hölle angesiedelten Brautschau. Newcomer Markus Krojer beeindruckt durch seine Natürlichkeit in der Hauptrolle des verqueren "Heimatfilms".

Wer früher stirbt ist länger tot

...erweist sich, philosophisch gesehen, als diskussionswürdige These, die Marcus Rosenmüller in seinem erfrischenden Spielfilmdebüt als verqueren bayerischen Heimatfilm abhandelt.

Wer jetzt aber knorrige Gutsherren, abgefeimte Pfaffen, stramme Waldarbeiter und holde Förstermaiden erwartet, liegt falsch. Denn obwohl sich HFF-Absolvent Marcus "Hausham" Rosenmüller, nicht zu verwechseln mit Marcus O. Rosenmüller, zu seiner Heimat bekennt, spart er sich (Voralpen-)Klischees. Bei ihm wird gegroovt, nicht gejodelt. Seine in der Moderne angekommenen Bewohner des idyllisch gelegenen Weilers Germringen hören weder Bayern 1, 2 oder 3, sondern den Rock'n'Roll-Sender des Hochgebirgs-DJs Alfred Dorstreiter. So auch der elfjährige Sebastian, Sohn des verwitweten "Kandlerwirts" Lorenz, der sich seinen Ghettoblaster zwecks Beschallung aufs Fahrrad, Kennzeichen RO - SE 007, geschnallt hat. Und der gleich zu Beginn unter die Räder des Bierlasters, Kennzeichen RO - SI, gerät. Eine Tragödie? Eher ein Mirakel. Sebastian steht auf, wischt sich den Staub von den Klamotten und bemerkt trocken: "Glück g'habt!".

Womit auch schon der Grundton des Werks vorgegeben ist: herber Humor, hemdsärmelige Handgreiflichkeiten und hundsgemeiner Hintersinn. Sebastian - mit unglaublicher Natürlichkeit gespielt vom Newcomer Markus Krojer - erfährt, dass die Mutter bei seiner Geburt gestorben ist, was bei ihm Schuldgefühle und Alpträume auslöst - und den Wunsch, sich vor dem Fegefeuer zu retten - am besten durch ewiges Leben. Die tote Mama wird am Grab um ein Zeichen gebeten, was ein Vogel übernimmt, der auf Sebastians Haupt kackt. Hilfreiche Details wissen dann die Stammtischbrüder der Laienspielgruppe: Der überarbeitete Papa braucht ein neues Eheweib, eine mit "Grips, G'schick und an g'scheidn Arsch".

Diese Suche, dieses diesseitige Purgatorium, bildet in der Folge den Kern der im wunderschönen Oberbayern, zwischen Himmel und Hölle angesiedelten Brautschau, bei der sich die Genres spielerisch vermengen, Dali'scher Surrealismus auf krachledernes Volkstheater trifft. Coming of Age mischt sich mit Komödienstadl, in der (geträumten) Unterwelt dröhnen die Blechbläser wie bei Emir Kusturica, während hoch oben vom Berg der wunderbare Jürgen Tonkel als moderierender Spät-Hippie Lebenshilfe gibt. Er verliert darüber seine Frau Veronika, jene patente Lehrerin, die Sebastian schon mal gefragt hat, ob sie eventuell mit "ihm vögeln dat" - was aber wieder eine ganz andere Geschichte ist. Nur eine von vielen, in diesem prallen, stellenweise wie ein Tourismus-Bilderbuchspot gefilmten Sommerspaß, der handwerklich nichts zu wünschen übrig lässt. Ein schönes Kabinettstück etwa die Parallelmontage, in der Onkel seine Frau "erwischt", wie diese mit dem Lorenz (sympathisch: Fritz Karl) telefoniert - der kurz zuvor noch neben ihr unter Biertischen gekrabbelt ist. Und da obendrein nichts angehabt hat. geh.

Darsteller:  Markus Krojer   als Sebastian
  Fritz Karl   als Lorenz
  Jule Ronstedt   als Veronika Dorstreiter
  Jürgen Tonkel   als Alfred Dorstreiter
  Saskia Vester   als Frau Kramer
  Franz Xaver Brückner   als Franz
  Johann Schuler   als Sepp Graudinger
  Sepp Schauer   als Proske
  Heinz-Josef Braun   als Gumberger
  Tim Seyfi   als Irmengard
 
Regie:  Marcus H. Rosenmüller  
Buch:  Marcus H. Rosenmüller  
  Christian Lerch  
Musik:  Gerd Baumann  
Kamera:  Stefan Biebl  
Produzent:  Dr. Andreas Richter  
  Annie Brunner  
  Ursula Woerner  
 

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