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Wer mich liebt, nimmt den Zug

Dramatisches Railroad-Movie und feinsinniger Blick in seelische Abgründe.


Wer mich liebt, nimmt den Zug

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Erhältlich seit:
16.11.2004

Originaltitel: Ceux qui m'aiment prendront le train

Drama

Frankreich 1998
Laufzeit: 116 Min.
FSK: ab 12

Pascal Greggory
Jean-Louis Trintignant
Valeria Bruni-Tedeschi

Regie: Patrice Chéreau
PRO-FUN MEDIA

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Wer mich liebt, nimmt den Zug

Eine Gruppe von Menschen, die sich kennen, befindet sich im Zug nach Limoges. Parallel zu den Schienen fährt ein weißes Auto, das einen Sarg transportiert. Im Sarg liegen die sterblichen Überreste des Malers Jean-Baptiste, der 70-jährig gestorben ist. Er, der immer in Paris gelebt hat, will in der Provinz begraben sein. Sein Vermächtnis: Wer mich liebt, nimmt den Zug. Und so wird der Friedhof zum Ort der Begegnung. Wahre Freunde treffen auf falsche, Erben auf Nicht-Erben, Seelenverwandte auf Blutsverwandte...

Patrice Chéreau ("Die Bartholomäusnacht"), als Regisseur hinter der Kamera ebenso zu Hause wie am Theater, entwirft hier ein überaus komplexes, vibrierendes Tableau menschlicher Beziehungen. Getragen von einem vorzüglichen Darstellerensemble, dem unter anderem die französischen Stars Valéria Bruni-Tedeschi, Charles Berling und Jean-Louis Trintignant angehören, tut sich hier ein emotional geladenes Drama um zerstörte Wahrheiten, enttäuschte Liebe, kleine Hoffnungen und trügerische Erinnerungen auf. Trotz aller handwerklichen Brillanz wegen Form, Inhalt und Wortlastigkeit eher Cineasten zu empfehlen.

Wer mich liebt, nimmt den Zug

Vier Jahre nach "Die Bartholomäusnacht" präsentierte Patrice Chéreau erneut einen Film im Wettbewerb von Cannes. Ein buntes Völkchen aus Paris fährt mit dem Zug zur Beerdigung eines exzentrischen Malers in die Provinz. Schon auf der Fahrt liegen sich Freunde und Familie in den Haaren und am Ende eines langen Tages stehen die Trauernden vor einem emotionalen Scherbenhaufen.

Die Idee zum verwirrenden Titel ist aus dem Leben gegriffen. Als der aus den 60er und 70er Jahren bekannte Dokumentarfilmer François Reichenbach sich für seine letzte Ruhe Limoges aussuchte, schlug er seinen Pariser Freunden, u.a. auch Chéreaus Co-Autorin Danièle Thompson vor "Die mich lieben, nehmen den Zug" (zur Beerdigung). Auch bei Chéreau fahren alle, die einem verblichenen Patriarchen nahe standen, von der Seine mit dem Zug nach Limoges, um ihm das letzte Geleit zu geben. Doch nach einem kurzen Austausch von Höflichkeiten kochen die Emotionen hoch. Vor allem bei den Eheleuten Claire und Jean-Marie (Valeria Bruni-Tedeschi, Charles Berling), die sich vor der geplanten Scheidung unverhofft wieder treffen, und bei einem Schwulenpaar (Pascal Greggory als Zyniker, Bruno Todeschini als Leidender), die sich vom selben Objekt sexueller Begierde angezogen fühlen. Souverän wie Altman in "Short Cuts" verknüpft Chéreau verschiedene Schicksale, entwirft ein psychologisch spannendes Porträt von schrägen Typen, Freunden, (Ex-) Liebhabern oder (Ex-) Geliebten und Familienangehörigen, die nur eins verbindet - ihre Abneigung oder ihre Liebe zu dem Toten. Es werden Erinnerungen ausgetauscht, alte Wunden aufgerissen, schmerzhafte Wahrheiten serviert, offene Rechnungen beglichen. Wut und Weinen liegen nahe beieinander. Chéreau decouvriert die Familie als Hort des Hasses, wo jeder gegen jeden kämpft und sich selbst der Nächste ist, bis es am Ende zur reinigenden Katharsis kommt und ein vages Gefühl der Hoffnung keimt.

Der Theater-, Film- und Opernregisseur konzentriert sich in elliptischer Erzählform auf zwei Hauptbereiche: Trennung und Begegnung, läßt sich dabei von eigenen Erfahrungen inspirieren. In einer Art Dreiakter, die Zugfahrt zur Beerdigung, die Beerdigung selbst und die anschließende "Feier" im Familiendomizil, entwickelt er einen profunden, dennoch unterhaltenden Blick in seelische Abgründe. Dabei packt er das Elend der Welt in zwei Stunden, angefangen von Drogenabusus, HIV, Homosexualität, Untreue, unerwünschte Schwangerschaft bis Selbstmord. Brillante Dialoge, optimale Besetzung bis in die kleinste Rolle (großartig Vincent Pérez als Tanssexueller, Jean-Louis Trintignant als charismatischer Schuh "Macher") und eine innovative (Hand-) Kamera, die von einem Protagonisten zum anderen hart springt, dann wieder zärtlich gleitet, lassen bei diesem intelligenten Puzzle keine Sekunde Langeweile aufkommen, auch wenn die Zuordnung der zahlreichen Personen manchmal Schwierigkeiten bereitet. Chéreaus feinsinnige Beobachtung der simplen Dinge des Lebens sollte auch an der Kinokasse auf Interesse stoßen. mk.

Darsteller:  Pascal Greggory   als François
  Jean-Louis Trintignant   als Lucien/Jean-Baptiste
  Valeria Bruni-Tedeschi   als Claire
  Charles Berling   als Jean-Marie
  Bruno Todeschini   als Louis
  Sylvain Jaques   als Bruno
  Vincent Perez   als Viviane
  Roschdy Zem   als Thierry
  Dominique Blanc   als Catherine
  Nathan Cogan   als Sami
  Marie Daëms   als Lucie
  Thierry de Peretti  
  Chantal Neuwirth  
  Genevieve Brunet  
  Didier Brice  
  Guillaume Canet  
 
Regie:  Patrice Chéreau  
Buch:  Patrice Chéreau  
  Danièle Thompson  
  Pierre Trividic  
Kamera:  Eric Gautier  
Produzent:  Charles Gassot  
 

Wer mich liebt, nimmt den Zug in der Fotoshow

 

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Pascal Greggory

Französischer Film- und Theaterschauspieler. Mal einsam, hart, verschlossen und verhärtet, mal pathetisch und alt, mal komisch und...

 

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