
Frivole Liebesgeschichte aus der Welt der Nacht zwischen einem sympathischen Loser und einer Prostituierten mit Herz.
Liebe, Verführung, Abhängigkeit - Themen, die Bertrand Blier gerne behandelt und mit Geld, Sex und Macht verknüpft. Wenn dann noch Monica Bellucci die dralle Dirne spielt, sind Altherrenfantasien keine Grenzen gesetzt. Im Pariser Rotlichtviertel Pigalle, wo es trotz käuflicher Liebe früher auch mal romantisch zugegangen sein soll, geht Daniela dem ältesten Gewerbe der Welt nach. Als sie mal wieder am Fenster sitzt und auf Freier wartet, betritt ein ziemlich langweiliger Typ die Bar und fragt nach dem Preis, zuckt bei 150 Euro und eine Flasche Champagner nicht zusammen, sondern macht ihr ein anderes unmoralisches Angebot. Für 100 000 Euro im Monat soll sie mit ihm leben, solange der Lottogewinn reicht. Die schöne Italienerin zieht noch am selben Abend bei ihm ein. Vor lauter Freude bekommt er fast einen Herzinfarkt, lässt sich dann aber von der Dame mit allen Finessen und körperlichem Einsatz wieder aufpäppeln. Aus Lebensfrust wird Lebenslust, und etwas Lebensart lernt er so ganz nebenbei. Es scheint, als sei die Liebe ausgebrochen. Im Büro tritt der schüchterne Kerl plötzlich selbstbewusst auf, die Liebesgeräusche hallen durchs Haus und sein Doktor-Freund verscheidet beim Anblick der Nackten mit den prallen Brüsten. Doch nach einigen Tagen verfällt die frisch gebackene Hausfrau wieder der Macht der Nacht und auch ihr Freund und Zuhälter (Gérard Depardieu) meldet Ansprüche und Geldforderungen an. Zwischen Erotik-Komödie und erotischer Burleske kann sich Blier nicht so richtig entscheiden. Eigentlich geht es ihm trotz ironischer Brechungen nur darum, seinem Frauenideal ein Forum zu geben, opulente Formen und traditionelle Weiblichkeit zu preisen, den Mythos von der Heiligen und der Hure weiterzuspinnen. Die Rolle schrieb er Monica Bellucci auf den Leib und nach einigen emotionalen Konfusionen ist alles so, wie man(n) es sich vorstellt. Die Lady geht nicht mehr anschaffen, sondern einkaufen, kümmert sich ums Haus und kocht dem Tolpatsch leckere Pasta, schließlich geht Amore durch den Magen. Die Schöne und der Durchschnittsmann mit beginnender Glatze, das ist der Stoff, aus dem Dramen oder Märchen sind. Blier entscheidet sich für das letztere, denn wo sonst würde eine Frau, die jeden um den Finger wickeln kann, ausgerechnet diesen netten Hochstapler nehmen? Fast könnte man auf die Rollenklischees reinfallen, wenn da nicht unterschwellig das Spiel mit denselben wäre und trotz Klamauk und Komik eine Portion Gesellschaftssatire aufblitzt. Aber dann verliert Blier wieder schnell das Interesse daran und konzentriert sich auf das für ihn Wesentliche, auf weiche Rundungen. Cherchez la femme. mk.