
Bittersüß sind die metaphorisch gehaltvollen Lutschbonbons, die eine alte Dame in Wayne Wangs neuem Film austeilt. Diese Beschreibung trifft auch für das gesamte, herzerwärmende Kinderabenteuer "Because of Winn-Dixie" zu. Adaptiert nach dem preisgekrönten Roman von Kate DiCamillos, erzählt der Regisseur einfühlsam die Geschichte eines einsamen kleines Mädchen, das mit Hilfe seines Hundes neue Freundschaften mit exzentrischen Gemeindebewohnern schließt. Das Ergebnis ist rührende, aber nicht rührselige Familienunterhaltung.
Die Story setzt mit der Ankunft der zehnjährigen India Opal Buloni (Newcomerin Anna-Sophia Robb) im fiktiven Naomi, Florida ein. Ihr Vater (Jeff Daniels) ist Prediger. Deshalb sind sie wieder einmal umgezogen. Ihre Mutter hat die Familie verlassen, als Opal drei Jahre alt war. Ohne Freunde fühlt sie sich recht einsam. Dies ändert sich, als sie im örtlichen Supermarkt einen herrenlosen Hund sieht und ihn mit nach Hause zu ihrem Wohnwagen-Park bringt. Sie tauft den niedlichen Vierbeiner, der dank dezenter CGI-Technik gelegentlich lächelt, Winn-Dixie. Trotz anfänglicher Proteste ihres Vaters und des Vermieters darf Opal ihn schließlich behalten. Dank seiner natürlichen Neugier und fröhlich-stürmischen Art schließt das kleine Mädchen fast schon zwangsläufig neue Bekanntschaften. Als da wären Otis (Sänger Dave Matthews in seinem Filmdebüt), der in der örtlichen Tierhandlung arbeitet und seinen Schützlingen Gitarre vorspielt; die beiden frechen Dewberry-Brüder, die Opal hänseln; die alte Bibliothekarin (Eva-Marie Saint), deren einzige Freunde ihre Bücher sind; die blinde Gloria Dump (Cicely Tyson), die als Hexe verschrien ist; die schüchterne kleine Sweet-Pea (Elle Fanning, Dakotas Schwester) und eine scheinbar arrogante Mitschülerin. Für eine Gartenparty bei Mrs. Dump finden sie alle zusammen und erneuern das lange abhanden gekommene Gefühl von Gemeinschaft.
Ein Teil der Figuren hat einen tragischen Hintergrund, womit eine Botschaft von Mitgefühl und Akzeptanz statt voreiliger Vorurteile vermittelt wird. Für einen Film mit allgemeiner Altersfreigabe werden erstaunlich erwachsene Themen wie Alkoholismus, Scheidung und Gefängnisaufenthalt angeschnitten. Unter Wangs leichtherziger Regie wirkt dies ernsthaft-aufrichtig und nicht übermäßig deprimierend. Zudem werden für die Kleinen zur Auflockerung auch ein paar Slapstickmomente eingebaut. Visuell wird dank der in satten Erd- und Goldtönen schwelgenden Kameraarbeit von Karl Walter Lindenlaub tiefe Wärme ausgestrahlt, die ein nostalgisches Flair heraufbeschwört. Dies wird noch zusätzlich vom hübschen folkigen Score unterstrichen. Fazit: ein charmant-origineller Familienfilm mit melancholischen Zwischentönen über Toleranz, Vergebung und Zukunftshoffnung, perfekt für (Groß-)Eltern und ihre jüngeren (Enkel-)Kinder auf der Suche nach Kontrastprogramm zum gängigen Kiddie-Standard-Entertainment. ara.