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Wir sind die Nacht

Stimmiger und stimmungsvoller Vampirfilm von "Die Welle"-Macher Dennis Gansel über drei Berliner Blutsauger, auf die kompromisslos Jagd gemacht wird.


Wir sind die Nacht

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Erhältlich seit:
07.04.2011

Horror/ Drama

Deutschland 2010
Laufzeit: 96 Min.
FSK: ab 16

Karoline Herfurth
Nina Hoss
Jennifer Ulrich

Regie: Dennis Gansel
Highlight Communications (Deutschland)

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Wir sind die Nacht

Vampire machen die Hauptstadt unsicher: Louisa, Nora und Charlotte sind immer auf der Suche, ihren Blutdurst zu stillen. Als Louisa in einer Bar Lena entdeckt und mit ihrem Biss selbst zum Nachtwesen macht, löst sie eine ungeahnte Kette von Ereignissen aus: Nun sucht die Polizei, darunter der von Lena faszinierte Tom, nach den Vampirladys. Als Tom die Geliebte findet, entdeckt er die wahre Größe seiner Gefühle für das Mädchen - und weckt damit die Eifersucht von Louisa, die sich ebenfalls in Lena verliebt hat.

Nach dem Sensationserfolg von "Die Welle" erfüllt sich Dennis Gansel seinen seit Jahren gehegten Wunschtraum eines Vampirfilms - und könnte mit seinem Timing in Zeiten der "Twilight"-Mania kaum besser liegen: Nach einem von ihm und Jan Berger verfassten Drehbuch legt er einen stimmigen und stimmungsvollen Gruselfilm vor, der vor allem die romantischen und sinnlichen Möglichkeiten des Blutsaugermythos voll ausreizt und mit Karoline Herfurth, Nina Hoss, Anna Fischer, Max Riemelt und Jennifer Ulrich reizvoll besetzt ist.

Wir sind die Nacht

Dennis Gansel unternimmt einen gelungenen Ausflug in ein hierzulande in neuerer Zeit nicht genutztes Genre. In seiner Vampir-Geschichte setzt er statt auf "Twilight"-Weichzeichner auf hohen Blutzoll, furiose Actionszenen, originelle Berlin-Locations, treibenden Sound und ein charismatisches Schauspielerinnen-Quartett mit Sex-Appeal.

Und das bildet auch die auffälligste Variation der Genre-Konventionen. Denn Gansels Vampire sind ausschließlich Frauen, eine schöne Idee. Nina Hoss beißt als verführerische Vampir-Älteste Louise Straßengöre Lena (Karoline Herfurth beweist Wandlungsfähigkeit). Louise und ihre Gefährtinnen, die melancholische Stummfilmschauspielerin Charlotte (Jennifer Ulrich traurig-schön) und das flippig-impulsive Partygirl Nora (Anna Fischer) zeigen Lena, was sie mit ihren neuen Kräften und Freiheiten anfangen kann: Mit Nobelkarossen durch Tunnels brausen ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr oder sogar Sonnenbaden im künstlichen Licht des Tropical Island und natürlich Tanzen bis zum Morgengrauen in Louises Club. Auch wenn Lena ihre äußerliche Transformation zur makellosen Frau gefällt (in einer eindrucksvoll realisierten Badeszene, in der die Verletzungen via VFX weggewaschen werden), so sehr schreckt sie die Blutgier. Die Avancen von Louise wehrt sie ab, trifft sich lieber mit dem jungen Polizisten (Max Riemelt), der in einer packenden Verfolgungssequenz am Anfang des Films versucht hat, sie nach einem Diebstahl zu schnappen. Als die Polizei den Aufenthaltsort der blutgierigen Damen ausfindig macht, müssen die vier fliehen.

Gansel erweist sich als erstaunlich geschickter Actionregisseur, sei es in den atemlosen Verfolgungsjagden oder in den virtuosen Kampfszenen, in denen die Frauen keine Gefangene machen. Insgesamt legt er - unterstützt vom starken Schnitt - ein ordentliches Tempo vor. Der Film ist bis zum Showdown auf dem Teufelsberg keine Minute langweilig. Aber auch die ruhigeren Szenen funktionieren, etwa die romantisch-angehauchten, auch witzigen Szenen zwischen Riemelt und Herfurth, denen Lena gerne schnoddrig antwortet. Dass die Figuren bisweilen over the top agieren, der Bösewicht durch eine dicke Narbe entstellt ist, gehört zum Genre. Gansel erfindet es nicht neu, er spielt mit leichter Hand mit den Konventionen, ergänzt sie mit originellen Einfällen und bietet mit Berlin eine wirklich denkwürdige Kulisse - und das nicht nur in Moodshots der sattsam bekannten Skyline mit Fernsehturm. Selbst bei den Verfolgungsjagden rücken prägnante Örtlichkeiten der Haupstadt ins Blickfeld des Zuschauers. Lena schleicht vor dem ersten Treffen mit Louise durch einen überwucherten Dino-Garten in Louises coolen Techno-Club im Freibad. Nicht nur hier vermengt die Optik Gothic- und moderne Elemente. Die Musik setzt passend zum Club-Geschehen hautsächlich auf elektronische Beats, berücksichtigt mit einem Schlaflied aber auch die romantische Komponente. In der gefühlvollsten Szene des Films singt Charlotte "Au claire de la lune" ihrer Tochter vor, die als Greisin im Krankenhaus liegt. Dies ist aber nur ein kurzer existenzieller Ausflug des Filmes, der Berlin by Night zeigt, wie es nicht nur jungen Leuten Spaß macht. hai.

Darsteller:  Karoline Herfurth   als Lena
  Nina Hoss   als Louise
  Jennifer Ulrich   als Charlotte
  Anna Fischer   als Nora
  Max Riemelt   als Kommissar Tom Serner
  Arved Birnbaum   als Kommissar Lummer
  Steffi Kühnert   als Lenas Mutter
  Jochen Nickel   als Lenas Bewährungshelfer
  Waléra Kanischtscheff   als Wasja
 
Regie:  Dennis Gansel  
Buch:  Jan Berger  
  Dennis Gansel  
Kamera:  Torsten Breuer  
Produzent:  Christian Becker  

"Ich wollte schneller als 'Twilight' sein"

Mit "Wir sind die Nacht" erfüllte sich Dennis Gansel einen Traum. Lange vor dem "Twilight"-Hype wollte er gemeinsam mit Produzent Christian Becker einen Vampirfilm machen und dem Genre neue Facetten abgewinnen. Der Erfolg von "Die Welle" erlaubte es ihm - nach 15 Jahren.

Wegen "Twilight" musste "Die Welle"-Macher Dennis Gansel seinen Vampirfilm "Wir sind die Nacht" komplett umarbeiten (Foto: Constantin) Großansicht

Wegen "Twilight" musste "Die Welle"-Macher Dennis Gansel seinen Vampirfilm "Wir sind die Nacht" komplett umarbeiten (Foto: Constantin)

Wie stark veränderte sich die Geschichte seit der ersten Idee?
DENNIS GANSEL: Stark. Ursprünglich konzentrierte sich "Wir sind die Nacht" auf die Liebesgeschichte zwischen einem Menschen, dessen Eltern von Vampiren getötet wurden, und einer Vampirin aus den Zwanzigerjahren, die ihres Lebens überdrüssig ist, quasi "Romeo und Julia" unter Vampiren. Aber das konnten wir nicht mehr machen seit es "Twilight" gab. Immerhin hatten Christian Becker und ich den richtigen Riecher beim Stoff. Anfangs wurde uns gesagt: "Ihr müsst euch entscheiden, ob ihr eine Vampir- oder eine Liebesgeschichte erzählen wollt." Mit Autor Jan Berger haben wir einen neuen Ansatz gefunden: zu schildern, wie sich ein Mensch in den ersten Tagen nach dem Biss eines Vampirs entwickelt. Vom Genre her, ist es, etwas hochgestochen ausgedrückt, mit einem Bildungsroman vergleichbar. Da konnten wir auch die Romantik, die für mich zum Genre gehört, beibehalten.

Ungewöhnlich ist, dass es nur weibliche Vampire gibt.
Das gehörte schon zur ersten Idee. Seit über zehn Jahren habe ich auch die Schauspielerinnen im Kopf gehabt. Nina Hoss z.B. wollte ich für den Film haben, seit ich sie in "Das Mädchen Rosemarie" gesehen habe. Wichtig war uns von Anfang an außerdem, dass der Film in Deutschland, in der Berliner Clubkultur spielt. So haben wir nur kurzzeitig damit geliebäugelt, ihn vielleicht in den USA zu realisieren, nachdem es hierzulande nicht voranging.

Warum hat es jetzt geklappt?
Ich hätte den Film auch schon 1998 oder 2006 gedreht, wenn die Finanzierung zustande gekommen wäre. Jetzt sind mehrere Faktoren zusammengekommen. Ich habe einen Film gemacht, der erfolgreich war. Christian Becker gehört mittlerweile zu den profiliertesten Produzenten in der Branche. Wir arbeiten beide seit Jahren sehr gut mit der Constantin zusammen. Und jetzt ist auch das Vertrauen in das Genre da.

Bei dem Hype könnte es auch eine Übersättigung geben.
Natürlich wäre ich gern der Erste gewesen, der wieder einen Vampirfilm dreht. Aber man muss sich der Realität in Deutschland stellen; der Genrefilm existiert im Kino nicht. Da gab es "Nosferatu" und später das Remake. Unser Film ist ein Testballon. Funktioniert er, werden weitere folgen. Immerhin wurde der Fantasyfilm quasi in Deutschland erfunden. Da wird es Zeit, dass er hierher zurückkehrt. Ich kenne auch bereits einige intelligente Bücher für Zombie- bzw. Werwolffilme. So hoffe ich, dass "Wir sind die Nacht" ein Publikumserfolg wird. Ein Genrefilm kostet ja auch ordentlich Geld, und als Regisseur sehe ich mich in der Verantwortung, das wieder hereinzubringen. Ich hoffe, dass der Film auch von der Presse gewürdigt wird; dass wir hier ein Genre probieren und nicht einfach auf den Erfolgszug aufspringen. Ich habe jedenfalls versucht, den Film auf dem bestmöglichen Niveau zu machen.

So haben Sie sich entsprechend viel Zeit mit der Postproduktion gelassen. Abgedreht wurde schon im Dezember 2009.
Wir haben 300 VFX-Schüsse und eine unglaublich aufwendige Tonpostproduktion. Bis kurz vor Kinostart arbeiten wir daran. Es gibt schließlich auch einige Actionszenen. Nina Hoss nimmt etwa ein ganzes Präsidium auseinander. Und in einer anderen Kampfszene trotzen sie und Karoline Herfurth der Schwerkraft, gehen die Wände hoch usw. - alles vor Green Screen. Dann gibt es noch die Verwandlungsaufnahmen. Das alles muss perfekt aussehen.

War es schwierig, sich mit der nötigen Technik auseinanderzusetzen?
Es war nicht einfach, aber sehr spannend. Bei "Napola" mussten wir nur ein paar Schneeflocken einbauen. Mit VFX-Supervisor Alex Lemke, der schon bei "Herr der Ringe" mitarbeitete, hatte ich einen guten, erfahrenen Mann an der Seite. Manche Tricks sind sogar ganz einfach mit Pattex und unsichtbarem Faden herzustellen. Ich habe dabei sehr viel gelernt.

Sind die Geschichte und ihre Figuren so angelegt, dass sie in einem zweiten Film fortgesetzt werden können?
Man könnte sie schon fortsetzen, aber sie ist nicht als Saga angelegt wie "Twilight".

Ihr nächster Film, "Im Jahr des Hundes", ist wie "Das Phantom" ein Politthriller. Sie werden ihren üblichen Produktionspartnern untreu und realisieren ihn mit UFA Cinema. Wann geht es los?
Produzentin Nina Maag kannte ich ja schon von "Die Welle". Das Projekt war auch nicht ganz einfach zu realisieren, ich habe das Buch bereits 2000 geschrieben. Ab Ende November werden wir in Kiew, Moskau, Bayern und Berlin drehen. Moritz Bleibtreu spielt einen Yellowpress-Reporter, der zwischen die Fronten von Geheimdienst und Terrorismus gerät.

 

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