
Charmante Komödie um ein einstiges Glamour-Traumpaar, das sich im Zorn trennte und nach 30 Jahren die alte Liebe neu entdeckt.
Sie ist eine der profiliertesten europäischen Schauspielerinnen und wird mit jedem Film noch besser, obgleich man eine Steigerung kaum für möglich hält: Charlotte Rampling. Die Rolle der ironischen Alice d'Abanville hat ihr Antoine de Caunes auf den Leib geschrieben. Zu Beginn zeigt er schwarz-weiß-Bilder aus den wilden 60er und 70er Jahren, die junge Filmschauspielerin Alice und der Regisseur Louis Ruinard als verliebtes Paar der Pariser Avantgarde, Medien-Darlings bis zur Trennung, weil er es mit der Treue nicht so genau nahm. Danach ging die Engländerin zurück nach London, machte sich einen Namen als Shakespeare-Darstellerin auf der Bühne und heiratete den reichen Lord Evelyn Gaylord (Nomen est Omen), der künstlerisch begabte Sohn fasst Fuß im Big Business. Alles scheint geordnet. Bis Louis plötzlich auftaucht und Chaos auslöst, nicht nur beruflich, sondern auch emotional. Erst mimt Madame die kühle Ex, aber dann brechen sie auf, die vergessen geglaubten Wunden. Mit verbalem Florett schlägt sie den Sex-Aficionado, der einst mit einer Blonden davonzog. Die Entschuldigung, dass in den 70ern doch die große Freiheit geherrscht habe, lässt sie nicht gelten.
Zwischen sarkastischer Distanz und vehementem Gefühlsausbruch laviert Rampling souverän und findet in Jean Rochefort den richtigen Gegenspieler, der jeden intelligenten Hieb pariert, wenn auch nicht immer männlich geschickt. Die beiden schaukeln sich hoch und als der nette Lord den Franzosen nach einem Schwächeanfall ins luxuriöse Heim bittet, liegt Romantik in der Luft. Die Hausherrin übernimmt die Initiative. Alte Liebe rostet nicht! Es sind nicht nur die witzigen Wortspiele dieser in der Tradition klassischer Screwball-Comedies gedrehten Inszenierung, die bestens unterhalten. Wenn Rampling mal lächelnd die Partie für sich gewinnt, dann aber ihr Lächeln in großer Traurigkeit gefriert, wenn Rochefort immer einen lockeren Spruch auf den Lippen trägt, aber sein Lack als launiger Libertin bröckelt, beide ihr Inneres verstecken, dann hat das etwas rührend-tragisches. Dass der Hund noch versehentlich Viagra frisst und der Grauschopf sich auf die eigene Lendenkraft verlassen muss, mag etwas arg burlesk sein, dem gelungenen Gesamtwerk voller Situationskomik schadet dieser Griff in die Klamottenkiste nicht. Und die britische Etikette kriegt auch ihr Fett ab ("no tie, no tea"). Bei dieser reifen Love-Story fliegen die Fetzen, dabei verstehen sich die Kampfhähne wunderbar. Warum sich nicht mal von Verrücktheit treiben lassen? Atemlose Versöhnung kann so schön sein. mk.