
Der junge Hazel Motes findet nach dem Militärdienst sein Dorf in den Südstaaten verlassen vor, erinnert sich an den Großvater, ein Sektenprediger, zieht in die nächste Stadt und verkündet eine "Kirche der Wahrheit ohne Christus". Bald hat er Anhänger und Konkurrenten: ein blinder Prediger und seine Tochter. Hazel tötet einen Plagiator, entlarvt den "Blinden" als Betrüger und setzt ein Zeichen, blendet sich selbst. Fortan ist er seiner Wirtin hilflos ausgeliefert. Er flieht und wird von der Polizei zurückgebracht - weil er die Miete nicht bezahlt hat.
Eins von John Hustons Meisterwerken, frisch und aufregend wie ein (guter) Independent-Film. Nach dem Roman von Flannery O'Connor (1952) schildert Huston eine Welt dumpfer Irrationalität, die Wahrheiten will, aber durch Armut, Zweifel und Unsicherheit fanatisch wird. Die Propheten sind Spekulanten, Psychopathen, die Masse heilsgierig und blind. Huston hat Hazels Scheitern als Tragödie und Satire in einer spannungsvollen Ambivalenz inszeniert. In Cannes und Locarno beschämte der damals 73-Jährige mit "Wise Blood" viele Jungfilmer.