DVD Leihvideo

Wolfzeit

Düstere Endzeitstory, in der sich Isabelle Huppert nach der Katastrophe mit zwei Kindern durchs Nirgendwo schlägt.


Wolfzeit

Leihvideo

Erhältlich seit:
06.09.2004

Originaltitel: Le temps du loup

Drama

Frankreich/Deutschland/Österreich 2003
Laufzeit: 109 Min.
FSK: ab 12

Isabelle Huppert
Maurice Bénichou
Lucas Biscombe

Regie: Michael Haneke
absolut MEDIEN

Bild 1 von 11

Filmbewertung


(0 Bewertungen)
Die Ausstattung

Die Technik

Haben Sie den Film schon gesehen?

Jetzt bewerten!


 
Düstere Endzeitstory, in der sich Isabelle Huppert nach mit zwei Kindern durchs Nirgendwo schlägt.

Bei Nacht und Nebel flüchtet die Mutter mit ihren Kindern (Foto: Ventura) Großansicht

Bei Nacht und Nebel flüchtet die Mutter mit ihren Kindern (Foto: Ventura)

Nach der großen Katastrophe, in einer Zeit, in der weder staatliche noch soziale Ordnung existiert: Eine Familie findet im Wochenendhaus Flüchtlinge vor. Die Eindringlinge erschießen den Vater und verschwinden mit Proviant und Auto. Im nahen Dorf wird die um Hilfe bittende Witwe an jeder Tür abgewiesen.

Allein mit ihrer Tochter und dem kleinen Sohn zieht sie durch eine Landschaft im Nebel und landet in einem Bahnhof: ein Auffangbecken für Gestrandete aus aller Herren Länder, die auf einen Zug warten, der sie an einen besseren Ort bringt - oder auch nicht.

Eine nicht genau definiertes Desaster hat zuvor jegliche staatliche Ordnung zum Erliegen gebracht, neue Hierarchien entstehen, neue Machtverhältnisse und Abhängigkeiten.

Die harten Zeiten haben begonnen (Foto: Ventura) Großansicht

Die harten Zeiten haben begonnen (Foto: Ventura)

Der Stärkere siegt

Im Mittelpunkt des verstörenden Films stehen Fragen nach dem menschlichen Verhalten in Ausnahmesituationen: Wie reagiert das Individuum, wenn die Tünche der Zivilisation wegbricht und es auf sich selbst und seinen Selbsterhaltungstrieb zurückgeworfen wird? Inwieweit funktionieren noch die angelernten Mechanismen gehobener Bürgerlichkeit, wann entsteht alles zerstörendes Chaos, wie verhält sich der Einzelne im Extremfall seiner Spezies gegenüber?

Michael Haneke entlarvt die Humanität als Resultat einer Schönwetterpsychologie, die sich als leere Hülle entpuppt, sobald das Wohlstandsgefüge sich auflöst. Was bleibt, ist Leid und Gewalt, ein ineinandergreifendes Täter-Opfer-System.

"Wolfzeit" ist ein durchaus interessanter Film für ein neugieriges, risikofreudiges und Experimente nicht scheuendes Publikum. Die Chancen an der Kinokasse sind jedoch begrenzt.

Wolfzeit

Vor zwei Jahren triumphierte Michael Haneke in Cannes mit "Die Klavierspielerin". Seiner neuen Endzeitstory (außer Konkurrenz) in düstersten Farben mit Lieblingsheroine Isabelle Huppert als Frau, die sich mit zwei Kindern durchs Nirgendwo schlägt, war weniger positive Resonanz beschieden. Die nicht ganz neue These vom Menschen und seiner Wolfsnatur hinterließ beim Gros der Zuschauer Ratlosigkeit.

Der Titel geht zurück auf einen Begriff aus der germanischen Mythologie, die Zeit vor "Ragnarök", dem Ende der Welt und beruht auf einer Kollektion von 37 Gedichten entstanden zwischen 800 und 1200. Zu Beginn glaubt man sich in "Funny Games" zurückversetzt. Da findet ein Ehepaar und seine zwei Kinder im Wochenendhaus eine Flüchtlings-Familie vor, der Mann wird erschossen. Die Eindringlinge nehmen Proviant und Auto, der um Hilfe bittenden Witwe werden im nahen Dorf die Türen vor der Nase zugehauen. Allein mit ihrer Tochter und dem kleinen Sohn zieht sie durch eine Landschaft im Nebel, landet in einem Bahnhof, Auffangbecken für Gestrandete aus aller Herren Länder, die auf einen Zug warten, der sie an einen besseren Ort bringt, oder auch nicht.

Haneke zieht das gesamte Register - gegenseitiger Hass, Gleichgültigkeit dem Leid anderer gegenüber, Sieg des Starken über den Schwachen. Darwinismus pur. Die Handlung kann überall stattfinden, ein genauer Ort ist nicht lokalisierbar, ob Gegenwart oder Zukunft ist Interpretationssache. Eine nicht genau definierbares Desaster hat jegliche staatliche Ordnung zum Erliegen gebracht, neue Hierarchien entstehen, neue Machtverhältnisse und Abhängigkeiten. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach dem menschlichen Verhalten in Ausnahmesituationen, wie reagiert das Individuum, wenn die Tünche der Zivilisation wegbricht und es auf sich selbst und seinen Selbsterhaltungstrieb zurückgeworfen wird? Inwieweit funktionieren noch die angelernten Mechanismen gehobener Bürgerlichkeit, wann entsteht alles zerstörendes Chaos, wie verhält sich der Einzelne im Extremfall seiner Spezies gegenüber?

Haneke entlarvt die Humanität als Resultat einer Schönwetterpsychologie, die sich als leere Hülle entpuppt, sobald das Wohlstandsgefüge sich auflöst. Was bleibt, ist Leid und Gewalt, ein ineinandergreifendes Täter-Opfer-System. Insofern passt "Le temps du loup" in sein Gesamtwerk von "Der siebente Kontinent" über "Benny's Video" bis hin zu "Code: Unbekannt und "Funny Games", ist die konsequente Fortschreibung eines pessimistischen Menschenbildes. Das Drehbuch lag schon einige Jahre in der Schublade und konnte erst durch den Erfolg durch "Die Klavierspielerin" realisiert werden. Einige Bilder strahlen visionäre Kraft aus, andere aber sind - selbst bei bester Projektion - kaum dechiffrierbar in ihrer Dunkelheit. Da überfordert der Wiener den Zuschauer, lässt ihn allein mit seiner Prophezeiung über das Jüngste Gericht und die Folgen einer diffusen Katastrophe, sei es nun Krieg, ökologischer Gau oder was auch immer. Sogar alte Fans, die sonst wie Junkies jeden neuen Haneke verschlingen, könnten ihm bei dieser diffizilen Götterdämmerung die Gefolgschaft verweigern. "Wolfszeit" ist ein durchaus interessanter Film für ein neugieriges, risikofreudiges und Experimente nicht scheuendes Publikum. Die Chancen an der Kinokasse sind jedoch begrenzt. mk.

Darsteller:  Isabelle Huppert   als Anne
  Maurice Bénichou   als Monsieur Azoulay
  Lucas Biscombe   als Ben
  Patrice Chéreau   als Thomas Brandt
  Béatrice Dalle   als Lise Brandt
  Anaïs Demoustier   als Eva
  Daniel Duval   als Georges
  Marilyne Even   als Madame Azoulay
  Olivier Gourmet   als Koslowski
  Rona Hartner   als Arina
  Florence Loiret-Caille   als Nathalie Azoulay
  Brigitte Roüan   als Béa
  Branko Samarovski   als Der Polizist
  Hakim Taleb   als Der Junge
  Thierry van Werveke   als Jean
  Michaël Abiteboul   als Der bewaffnete Mann
  Pierre Berriau   als Der Mann im Ferienhaus
  Costel Cascaval   als Constantin
  Luminita Gheorghiu   als Madame Homolka
  Franck Gourlat   als Der Wasserverkäufer
  François Hautesserre   als Der Musikliebhaber
  Maria Hofstätter   als Die zankende Frau
  Valérie Moreau   als Die Frau im Ferienhaus
  Serge Riaboukine   als Der Chef
  Claude Singeot   als Der Rasierklingenmann
  Ina Strnad   als Das Kind im Ferienhaus
  Adriana Trandafir   als Marya
 
Regie:  Michael Haneke  
Buch:  Michael Haneke  
Kamera:  Jürgen Jürges  
Produzent:  Margaret Ménégoz  
  Prof. Dr. Veit Heiduschka  
 

Fassungen

 

facebook

 

Features

 

Star

Isabelle Huppert

Unter den französischen Schauspielerinnen ist sie das Chamäleon, ein Talent mit vielfältigen Facetten, die aufregend zwischen Anmut und...

 

Star

Patrice Chéreau

Einer der renommiertesten Film-, Theater-und Opernregisseure Europas, der 1974 in Bayreuth mit seiner bis heute revolutionären...