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Leihvideo
Erhältlich seit:
06.09.2004
Originaltitel: Le temps du loup
Frankreich/Deutschland/Österreich 2003
Laufzeit: 109 Min.
FSK: ab 12
Isabelle Huppert
Maurice Bénichou
Lucas Biscombe
Regie: Michael Haneke
absolut MEDIEN

Vor zwei Jahren triumphierte Michael Haneke in Cannes mit "Die Klavierspielerin". Seiner neuen Endzeitstory (außer Konkurrenz) in düstersten Farben mit Lieblingsheroine Isabelle Huppert als Frau, die sich mit zwei Kindern durchs Nirgendwo schlägt, war weniger positive Resonanz beschieden. Die nicht ganz neue These vom Menschen und seiner Wolfsnatur hinterließ beim Gros der Zuschauer Ratlosigkeit.
Der Titel geht zurück auf einen Begriff aus der germanischen Mythologie, die Zeit vor "Ragnarök", dem Ende der Welt und beruht auf einer Kollektion von 37 Gedichten entstanden zwischen 800 und 1200. Zu Beginn glaubt man sich in "Funny Games" zurückversetzt. Da findet ein Ehepaar und seine zwei Kinder im Wochenendhaus eine Flüchtlings-Familie vor, der Mann wird erschossen. Die Eindringlinge nehmen Proviant und Auto, der um Hilfe bittenden Witwe werden im nahen Dorf die Türen vor der Nase zugehauen. Allein mit ihrer Tochter und dem kleinen Sohn zieht sie durch eine Landschaft im Nebel, landet in einem Bahnhof, Auffangbecken für Gestrandete aus aller Herren Länder, die auf einen Zug warten, der sie an einen besseren Ort bringt, oder auch nicht.
Haneke zieht das gesamte Register - gegenseitiger Hass, Gleichgültigkeit dem Leid anderer gegenüber, Sieg des Starken über den Schwachen. Darwinismus pur. Die Handlung kann überall stattfinden, ein genauer Ort ist nicht lokalisierbar, ob Gegenwart oder Zukunft ist Interpretationssache. Eine nicht genau definierbares Desaster hat jegliche staatliche Ordnung zum Erliegen gebracht, neue Hierarchien entstehen, neue Machtverhältnisse und Abhängigkeiten. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach dem menschlichen Verhalten in Ausnahmesituationen, wie reagiert das Individuum, wenn die Tünche der Zivilisation wegbricht und es auf sich selbst und seinen Selbsterhaltungstrieb zurückgeworfen wird? Inwieweit funktionieren noch die angelernten Mechanismen gehobener Bürgerlichkeit, wann entsteht alles zerstörendes Chaos, wie verhält sich der Einzelne im Extremfall seiner Spezies gegenüber?
Haneke entlarvt die Humanität als Resultat einer Schönwetterpsychologie, die sich als leere Hülle entpuppt, sobald das Wohlstandsgefüge sich auflöst. Was bleibt, ist Leid und Gewalt, ein ineinandergreifendes Täter-Opfer-System. Insofern passt "Le temps du loup" in sein Gesamtwerk von "Der siebente Kontinent" über "Benny's Video" bis hin zu "Code: Unbekannt und "Funny Games", ist die konsequente Fortschreibung eines pessimistischen Menschenbildes. Das Drehbuch lag schon einige Jahre in der Schublade und konnte erst durch den Erfolg durch "Die Klavierspielerin" realisiert werden. Einige Bilder strahlen visionäre Kraft aus, andere aber sind - selbst bei bester Projektion - kaum dechiffrierbar in ihrer Dunkelheit. Da überfordert der Wiener den Zuschauer, lässt ihn allein mit seiner Prophezeiung über das Jüngste Gericht und die Folgen einer diffusen Katastrophe, sei es nun Krieg, ökologischer Gau oder was auch immer. Sogar alte Fans, die sonst wie Junkies jeden neuen Haneke verschlingen, könnten ihm bei dieser diffizilen Götterdämmerung die Gefolgschaft verweigern. "Wolfszeit" ist ein durchaus interessanter Film für ein neugieriges, risikofreudiges und Experimente nicht scheuendes Publikum. Die Chancen an der Kinokasse sind jedoch begrenzt. mk.
| Darsteller: | Isabelle Huppert | als Anne | |
|---|---|---|---|
| Maurice Bénichou | als Monsieur Azoulay | ||
| Lucas Biscombe | als Ben | ||
| Patrice Chéreau | als Thomas Brandt | ||
| Béatrice Dalle | als Lise Brandt | ||
| Anaïs Demoustier | als Eva | ||
| Daniel Duval | als Georges | ||
| Marilyne Even | als Madame Azoulay | ||
| Olivier Gourmet | als Koslowski | ||
| Rona Hartner | als Arina | ||
| Florence Loiret-Caille | als Nathalie Azoulay | ||
| Brigitte Roüan | als Béa | ||
| Branko Samarovski | als Der Polizist | ||
| Hakim Taleb | als Der Junge | ||
| Thierry van Werveke | als Jean | ||
| Michaël Abiteboul | als Der bewaffnete Mann | ||
| Pierre Berriau | als Der Mann im Ferienhaus | ||
| Costel Cascaval | als Constantin | ||
| Luminita Gheorghiu | als Madame Homolka | ||
| Franck Gourlat | als Der Wasserverkäufer | ||
| François Hautesserre | als Der Musikliebhaber | ||
| Maria Hofstätter | als Die zankende Frau | ||
| Valérie Moreau | als Die Frau im Ferienhaus | ||
| Serge Riaboukine | als Der Chef | ||
| Claude Singeot | als Der Rasierklingenmann | ||
| Ina Strnad | als Das Kind im Ferienhaus | ||
| Adriana Trandafir | als Marya | ||
| Regie: | Michael Haneke | ||
| Buch: | Michael Haneke | ||
| Kamera: | Jürgen Jürges | ||
| Produzent: | Margaret Ménégoz | ||
| Prof. Dr. Veit Heiduschka | |||
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch DD 2.0, Französisch
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1:2,35/16:9
Extras: Trailer, Making of, Bio- und Filmografien
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