
Mit Eva Green prominent besetztes, ödipales Arthaus-Werk, das die Science-Fiction-Idee des Klonens als atmosphärisches Stillstands-Gemälde umsetzt.
Eine Prämisse, die oft für SciFi-(Horror)Fantasien diente, gerinnt unter den stilstrengen Händen von Benedek Fliegauf ("Dealer") zu einem unbedingten Kunstfilm, der sich dem Klonen stimmungsbetont und hochästhetisch nähert. Bond-Girl Eva Green ("Casino Royale") tritt darin als Rebecca auf, eine Liebende, die ihren gerade wiedergefundenen Kindheitsfreund Thomas (Matt Smith aus "Outsourced") bei einem tödlichen Unfall verliert, ihn gegen den Willen seiner Eltern als Klon austrägt und den Jungen in einer zunehmend inzestuösen Beziehung großzieht. Ausgerechnet der vormalige Gen-Gegner erhält durch den Replikations-Fortschritt ein zweites Leben, wird von seiner Mutter trotz drängender Fragen aber über seine wahre Herkunft im Unklaren gelassen.
Fernab technikbetonter Zukunftsvisionen stellt der Ungar Fliegauf ein auf Englisch entstandenes, romantisches Kunstmärchen vor, dessen besonderes Augenmerk auf der Atmosphäre liegt. "Womb" wurde auf Sylt und Eiderstedt an der sturmumtosten Nordseeküste gedreht und spielt zumeist in einem einsamen Stelzenhaus: Ein Isolations-Kammerspiel in wolkenverhangener Watteinsamkeit, das permanent an Caspar David Friedrichs "Mönch am Meer" gemahnt und zeit- wie ortsunspezifisch in dieser bleischweren Seelenlandschaft spielt.
Schon Fliegaufs Filmdebüt über einen Tag im Leben eines Drogendealers sprach vor allem Experimentierfreudige an und daran hat sich in "Womb" nichts geändert. Der Ansatz folgt einer Geistergeschichte, die konsequent entrationalisiert wurde, die aber ebenso den Zugang zu Psyche und Emotionen verweigert. Die Distanz zu den Darstellern kann Fliegauf dabei nicht überbrücken, zu sehr fokussiert er auf seine stilistische Manier, die das Kunstsinnige destilliert: Statische Totalen oder beklemmende Close-Ups, ein grotesk langsamer Erzählrhythmus und eine alles schluckende Stille. Diese lyrische Parabel auf Orpheus und Eurydike polarisiert mit einer Kombination aus schweigesamer Inszenierung, einfachen Figuren und Dialogen, überzeugt zugleich aber durch dunkel-poetische Verlorenheits-Symbolik. tk.