DVD Kaufvideo

Yasmin

Britisches Drama um eine junge Muslimin, die sich nach den Anschlägen vom 11. September mit der Ablehnung ihrer Kollegen konfrontiert sieht.


Yasmin

Kaufvideo

Erhältlich seit:
21.04.2006

Drama/ Komödie

Großbritannien/Deutschland 2004
FSK: ab 12

Archie Panjabi
Renu Setna
Steve Jackson

Regie: Kenny Glenaan
good!movies

Bild 1 von 22

Filmbewertung


(0 Bewertungen)
Die Ausstattung

Die Technik

Haben Sie den Film schon gesehen?

Jetzt bewerten!


 
Britisches Drama um eine junge Muslimin, die sich nach den Anschlägen vom 11. September mit der Ablehnung ihrer Kollegen konfrontiert sieht.

Yasmin wird öffentlich gedemütigt (Foto: academy films) Großansicht

Yasmin wird öffentlich gedemütigt (Foto: academy films)

Yasmin (Archie Panjabi) ist die Tochter von pakistanischen Immigranten und hat eine Stelle als Sozialarbeiterin in Nordengland. Ihr streng gläubiger Vater ist Wächter der ansässigen Moschee, ihr Bruder verdient sich sein Geld jedoch als Dealer.

Die Ereignisse des 11. Septembers 2001 und die darauf folgenden Anti-Terrormaßnahmen der Polizei verändern auch die Haltung von Freunden und Arbeitskollegen gegenüber der jungen Frau. Sie distanzieren sich immer mehr von Yasmin, die in ihren Augen zunehmend zur fanatischen Muslimin wird.

Die Muslimin wird zur Außenseiterin (Foto: academy films) Großansicht

Die Muslimin wird zur Außenseiterin (Foto: academy films)

Ausgezeichnete Konfrontation

Der Film setzt sich mit einem brisanten Thema auseinander und zeigt die Konfrontation westlicher Kultur und radikaler islamischer Ideen nach den Anschlägen des 11. Septembers. Mit Hauptdarstellerin Archie Panjabi ("Kick it like Beckham"), englischer Shooting Star 2005, wurde "Yasmin" unter anderem bei der Berlinale mit dem "European John Templeton Film Award" ausgezeichnet.

Yasmin

Culture-Clash, der Aufeinanderprall der Kulturen. Ein politisches Schlagwort, das längst seinen Weg ins Kino gefunden hat. "Gegen die Wand" ließ Faith Akin seine deutsch-türkischen Helden laufen, während in "Kick It Like Beckham" die fußballbegeisterte indische Heldin ihrer Leidenschaft nur im Geheimen nachgehen durfte und dafür zu Hause fast eine Rote Karte erhielt. Einmal Drama, einmal Komödie, beide Male war das Publikum begeistert. Jetzt folgt "Yasmin", die Geschichte einer pakistanischen Einwanderin, die sich längst als Engländerin fühlt - bis die Anschläge von 9/11 ihre Welt aus den Angeln heben. Schwere Kost, gut konstruiert und sauber umgesetzt. Ein Arthaus-Tipp mit Potenzial.

Spätestens seit "East Is East" (1999) weiß der Freund britischer Filmkunst ob der Probleme pakistanischer Einwanderer. Vom Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, vom Konflikt, den die in Großbritannien geborenen Kindern mit ihren immigrierten, den alten Sitten und Kulturen verhafteten Eltern austragen. Fremde sind sie im eigenen Land, "Pakis", "Curryfresser", obwohl sie bereits auf "der Insel" geboren wurden. Junge Frauen wie Pinky Bhamra aus "...Beckham", Meemha Khan aus "East Is East" oder nun Yasmin aus dem gleichnamigen Film, allesamt gespielt von Archie Panjabi, dem englischen "Shooting Star 2005".

Als Yasmin verkörpert sie nun eine selbstbewusste Einwanderin der zweiten Generation, die in Nordengland lebt. Der Vater betreibt eine kleine Reparaturwerksatt, genießt als Vorsteher der örtlichen Moschee in der Gemeinde hohes Ansehen, träumt von einem Häuschen in der alten Heimat Pakistan. Die Mutter ist tot, der kleine Bruder dealt und interessiert sich sonst vor allem für Sex. Als Sozialhelferin ist die junge Frau bei den Kollegen beliebt und wechselt auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig Schleier gegen Jeans. Gerade hat sie sich einen Traum erfüllt, ein gebrauchtes Cabrio gekauft.

Eine heile Welt? Wären da nicht diese kleinen Irritationen, z.B. der etwas zurückgebliebene Cousin Faysal. Den hat Yasmin, um ihren Vater nicht zu verletzen, auf dem Papier geheiratet, damit dieser britischer Staatsbürger werden kann. Oder der Alkohol, den sie ihres Glaubens wegen im Pub immer heimlich wegschüttet. Da schlagen die Flugzeuge im World Trade Center ein. Engländer wie Pakistanis reagieren panisch, aggressiv. Faysal wird ohne Grund verhaftet, im Gefängnis misshandelt. Al-Kaida-Sympathisanten rufen zum Widerstand auf, Yasmin wird gemobbt. Sie muss Stellung beziehen. Ob sie will oder nicht.

Unter anderem ausgezeichnet mit dem Preis der ökumenischen Jury des Filmfestival von Locarno und dem "European John Templeton Film Award 2004", den auch schon Barbara Albert und Aki Kaurismäki gewannen, besticht "Yasmin" durch die exakte Schilderung der Lebensverhältnisse von Immigranten. Regisseur Kenny Glenaan und sein Drehbuchautor Simon Beaufoy nehmen die Position des neutralen Beobachters ein, meiden eindeutige Parteinahmen wie beispielsweise die Kollegen Mike Leigh oder Ken Loach. Von Entwurzlung zeugt das Werk, berichtet von der Suche nach den eigenen Wurzeln sowie von der Konfrontation zwischen "liberaler" westlicher Kultur und "radikalen" islamischen Ideen. Die Figuren stehen stellvertretend für Ideen und Lebensanschauungen, etwas zu didaktisch vielleicht, etwas schablonenhaft. Dennoch: Man bekommt ein Gefühl für die Personen. Versteht den rigiden, eigentlich "guten" Vater und seine "aufgeklärte" Tochter, begreift (bis zu einem gewissen Punkt) die Übergriffe der Polizei und kann die Begeisterung der jungen Muslime, sich als "heilige Krieger" zu verpflichten, nachvollziehen.

Obwohl in der britischen Gesellschaft angesiedelt, funktioniert das Thema universell. Genauso wie die Bilder von Industrielandschaften und endlosen Reihenhaussiedlungen austauschbar sind. Grau herrscht als Farbe vor, Trostlosigkeit bestimmt den Alltag, entsprechend deprimierend die allgemeine Stimmung. Ein Soziogramm, ein Bericht zum Stand der Dinge. Nicht Unterhaltung, sondern Aufklärung. Kino mit Tiefgang, mit Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger. Selten genug. geh.

Darsteller:  Archie Panjabi   als Yasmin
  Renu Setna   als Khalid
  Steve Jackson   als John
  Shahid Ahmed   als Faysal
  Syed Ahmed   als Nasir
  Gary Lewis   als Polizeichef
  Badi Uzzaman   als Onkel Hassan
  Amar Hussain   als Kamal
  Joanna Booth   als Cheryl
  Emma Ashton   als Sam
  Rae Kelly   als Wendy
  Tammy Barker   als Anna
  Suraj Dass   als Kashiff
  Miriam Ali   als Amina
 
Regie:  Kenny Glenaan  
Buch:  Simon Beaufoy  
Musik:  Stephen McKeon  
Kamera:  Tony Slater-Ling  
Produzent:  Jonathan Olsberg  
  Sally Hibbin  
  Bernd Hellthaler  
 

Fassungen

 

facebook

 

Features