
Unterschwellig spannende Sozialstudie um ein alternatives Paar, das menschliche Nähe verkauft und daran zu zerbrechen droht.
Schon ein seltsames Paar: Manu (Maja Schöne) und Jakob (stark: Robert Stadlober aus "Crazy") campen draußen im Wald. Die Twentysomethings leben frei, autark und mit notorisch knapper Kasse. Die füllt Manu notdürftig auf, indem sie eine alte Dame pflegt, die ihr dafür sporadisch Kleinbeträge spendiert. Jakob hat sich derweil an Hobbypilot Martin (Sylvester Groth) gehängt, der vor kurzem seinen Sohn verlor. Er nistet sich mit großer Selbstverständlichkeit bei ihm und Martins misstrauischer Frau Claudia (Corinna Kirchhoff) ein. Wie Manu geht auch er einen unausgesprochenen Pakt ein: Vergütung gegen menschliche Zuneigung. Von einem tragfähigen Geschäftsmodell für das junge Paar kann freilich keine Rede sein. Zudem stellen die Entwicklungen ihre Partnerschaft auf eine schwere Prüfung.
Christian Backer und Oliver Schwabe, die schon mit "Egoshooter" ein kaum sonderlich erbauliches Gesellschaftsbild zeichneten, haben eine subtil beklemmende Studie entworfen, die so undurchsichtig wie unterschwellig spannend ausfällt. Die beiden Protagonisten kommen aus dem Nichts, sind weniger parasitär, denn vielmehr symbiotisch und schlittern in Beziehungskonstellationen, die sie weder überblicken noch kontrollieren können. Daraus ergibt sich ein im Spannungsfeld zwischen Distanz und Nähe aufgebautes, kunstvolles Drama über Zustände, die sich in der Schwebe befinden, aber langsam in gefährliche Schieflagen abrutschen. Einerseits stirbt Manus Geldgeberin, zum anderen findet sich Jakob in einer "Vertigo"-Situation wieder: Er sucht einen Vaterersatz, Martin einen Sohn. Heimlichkeit und Eifersucht katalysieren die Ereignisse, bis das Spiel auffliegt und die Situation eskaliert. Vieles bleibt unausgesprochen, dafür zieht die Atmosphäre in den Bann in einem Film, der einem seltsamen Traumzustand gleicht, er wirkt zart und rau, nah und fern, emotional bedürftig und zurückweisend - und fast immer alles zugleich. tk.