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Zeiten des Aufruhrs

Mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio besetztes Meisterdrama über ein Ehepaar, das aus der Konformität des Vorstadtglücks der Fünfzigerjahre ausbrechen will.


Zeiten des Aufruhrs

Leihvideo

Erhältlich seit:
21.05.2009

Originaltitel: Revolutionary Road

Drama

USA 2008
Laufzeit: 119 Min.
FSK: ab 12

Leonardo DiCaprio
Kate Winslet
Michael Shannon

Regie: Sam Mendes
Paramount Home Entertainment

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Das "Titanic"-Traumpaar ist zurück - und kämpft mit allen Mitteln gegen die Tücken des Spießerlebens in der Vorstadt.

April und Frank haben Großes vor (Foto: Paramount) Großansicht

April und Frank haben Großes vor (Foto: Paramount)

Die wollen alles vom Leben: das junge Ehepaar April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) hat große Pläne und Ambitionen. Die beiden sehen sich als Individualisten und pfeifen auf die langweiligen gesellschaftlichen Konventionen des prüden Amerika der Fünfziger Jahre. Schwelende Konflikte des Einzelnen mit der Gesellschaft, Reibungspunkte im Alltag - das ist der Stoff, der Sam Mendes zu Höchstform auflaufen lässt, wie er bereits eindrucksvoll mit dem fünffachen Oscar-Gewinner "American Beauty" gezeigt hat.

Für die Verfilmung von Richard Yates' Kultroman "Zeiten des Aufruhrs" holte der Regisseur aber vor allem das frühere "Titanic"-Duo Leonardo DiCaprio und Kate Winslet zum ersten Mal wieder gemeinsam vor die Kamera.

Die glücklichen Momente werden weniger (Foto: Paramount) Großansicht

Die glücklichen Momente werden weniger (Foto: Paramount)

Idylle mit Dilemma

Obwohl das Drama in einer US-Kleinstadtidylle der 50er angesiedelt ist, so haben seine Themen doch eine allgemeine Gültigkeit, der sich auch der moderne Zuschauer nicht entziehen kann.

Das Dilemma zeigt sich schon in der Grundkonstellation, die vielen bekannt vorkommen dürfte: Als April schwanger wird, beschließt das Paar, sich in der ländlichen Umgebung von Connecticut niederzulassen. Frank hat einen zwar gut bezahlten, aber langweiligen Bürojob, April fristet ein Dasein als Hausfrau und träumt von einer Schauspielkarriere.

Das Paar macht sich Gedanken über die Zukunft (Foto: Paramount) Großansicht

Das Paar macht sich Gedanken über die Zukunft (Foto: Paramount)

Job, Haus, Familie

Gefangen in den Konventionen des 'Job, Haus, Familie'-Daseins erkennen die beiden, dass sie genau das Leben führen, das sie eigentlich zutiefst verachten. Und stellen sich Fragen, mit denen sich der Großteil des Publikums identifizieren dürfte: Warum brechen wir nicht einfach aus? Wollen wir unsere Träume von früher nicht endlich verwirklichen?

In ihrem Fall heißt der Fluchtpunkt Paris, und es ist beklemmend und bewegend zu verfolgen, wie die Protagonisten allen Hindernissen zum Trotz Kurs zu halten versuchen. Aber können sie mit einem Umzug nach Europa diesem Konstrukt aus Alltag und Selbsttäuschung entkommen?

Wird die Liebe die Lebenskrise überstehen? (Foto: Paramount) Großansicht

Wird die Liebe die Lebenskrise überstehen? (Foto: Paramount)

Heftige Emotionen

In seiner vierten Regiearbeit gelingt es Sam Mendes ("Road to Perdition"), das Konfliktpotential selbst des unscheinbarsten Moments auszuloten. In heftigen Emotionen prallen die Charaktere aufeinander - und es zeigt sich, dass Kate Winslet, Mendes' Ehefrau, und Leonardo DiCaprio in den elf Jahren seit "Titanic" gereift sind. Ihre große schauspielerische Leistung von damals wird in dem bewegenden Drama um Liebe, Träume, Eitelkeiten und Hoffnungen sogar noch getoppt.

Mit gutem Gespür für Design und filmischen Rhythmus bringt Mendes eine Schlacht der großen Gefühle auf die Leinwand, in der ein Wort mehr Verwüstungen anrichten kann als jede Explosion. Selten gewordenes großes Beziehungskino, oscarreif gespielt von Leo und Kate.

Zeiten des Aufruhrs

Sam Mendes' meisterlich inszenierte Reunion der "Titanic"-Stars Leonardo DiCaprio und Kate Winslet tranchiert den amerikanischen Traum messerscharf und zeitlos gültig.

Wie eine bittere Keimzelle für "American Beauty" wirkt Mendes' vierte Regiearbeit, die - im Wohlstandsglück der Fifties platziert - bis ins Heute greift und die Ehe als genormtes Arrangement von Haus, Garten, Kindern und Job demontiert. Vorlage ist Richard Yates' 1961 erschienener Roman, ein literarischer Geheimtipp über Drohnen und Weibchen, die in der Konformität den Sprung zur Individualität nicht wagen. Eine Ausnahme scheinen Frank und April Wheeler zu sein, die Mobilität schon im Nachnamen tragen und nicht in der Vorstadtreservation enden, nicht nur materiell träumen wollen.

Mit einem Partyblick beginnt diese Beziehung und der Film. Noch während der Song-Opener im Soundtrack läuft, sind die Wheelers verheiratet, steckt die Ehe in der Krise, kommt es über Aprils geplatzte Schauspielträume zu einem giftigen Streit, den Frank fast mit der Faust beendet. Am nächsten Morgen steht eine Armee von Anzugträgern am Zug, verkriecht sich verloren in kleinen Bürozellen, während die Frauen das Glück am sonnendurchfluteten Küchenfenster suchen. Frank, frustriert darüber, ein Klon seines Vaters zu werden, erobert eine naive Büromaus, doch mehr euphorisiert ihn Aprils überraschender Vorschlag, bald nach Paris zu ziehen, den Schritt ins Risiko zu wagen. Es folgen Monate des Glücks. Nur jetzt, in der Zeit des Aufbruchs, sind kurz auch die beiden Kinder zu sehen. Dann, als April erneut schwanger und Frank in der Firma Perspektive nach oben angeboten wird, bricht alles zusammen. Sie denkt an Abtreibung, doch Paris ist längst unerreichbar, weil Frank der Mut fehlt, um aus der Routine auszubrechen.

Ein diffiziles Psychogramm einer Ehe ist hier zu sehen, die in "Stepford"-Stasis abzugleiten droht - wie alle Ehen an der "Revolutionary Road" (Originaltitel), die eine Straße der Resignation, nicht der Revolution ist. Einsamer, offener Mahner in dieser Landschaft des Arrangements ist der Sohn einer Maklerin, die den amerikanischen Traum strahlend und Honiglaute zirpend verkauft. Eine Powerperformance von Michael Shannon als psychisch Deformierter, der die Wheelers als einziger versteht, bis deren Rückzug eine explosive Tirade auslöst. Neben einer magischen Tanzsequenz mit Winslet, die in Verzweiflungssex mündet, sind es die zwischenmenschlichen Duellszenen, die mitreißen und an die Substanz gehen. Darstellerisch, atmosphärisch, im Zusammenspiel von Produktionsdesign und Kamera, erreicht Mendes' für vier Golden Globes nominierter Film Perfektion. Leicht abzuschütteln ist er nicht, und das ist seine größte Qualität. Denn in der Nachwirkung, in der eigenen Reflexion, liegt die Hoffnung, die in ihm selbst begraben ist. kob.

Darsteller:  Leonardo DiCaprio   als Frank Wheeler
  Kate Winslet   als April Wheeler
  Michael Shannon   als John Givings
  Kathy Bates   als Mrs. Givings
  Zoe Kazan   als Maureen Grube
  Ryan Simpkins   als Jennifer Wheeler
  David Harbour   als Shep Campbell
  Kathryn Hahn   als Milly Campbell
  Ty Simpkins   als Jennifer Wheeler
 
Regie:  Sam Mendes  
Buch:  Justin Haythe  
Musik:  Thomas Newman  
Kamera:  Roger Deakins  
Produzent:  Sam Mendes  
  Bobby Cohen  
  John Hart  
  Scott Rudin  

Globe-Nominierung für "Baader Meinhof"

Die Jury der Golden Globes, die Hollywood Foreign Press Association, hat soeben die Nominierten für die Verleihung am 11. Januar bekannt gegeben.

Moritz Bleibtreu und Johanna Wokalek finden für ihre Leistung als Terroristenduo auch in Hollywood Anerkennung (Foto: Constantin) Großansicht

Moritz Bleibtreu und Johanna Wokalek finden für ihre Leistung als Terroristenduo auch in Hollywood Anerkennung (Foto: Constantin)

"Der Baader Meinhof Komplex" und "Waltz with Bashir" konkurrieren in der Kategorie für den Globe als bester fremdsprachiger Film mit "Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra", "So viele Jahre liebe ich dich" und "Maria Larsson's Everlasting Moment".

Als bester Film in der Kategorie Drama konkurrieren: "Der seltsame Fall des Benjamin Button", "Frost/Nixon", "Der Vorleser", "Zeiten des Aufruhrs" und "Slumdog Millionär".

In der Kategorie Komödie/Musical treten "Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?", "Happy-Go-Lucky", "Brügge sehen... und sterben?", "Mamma Mia!" und "Vicky Cristina Barcelona" gegeneinander an.

Für die beste Regie wurden Danny Boyle ("Slumdog Millionaire"), Stephen Daldry ("Der Vorleser"), David Fincher ("Der seltsame Fall des Benjamin Button"), Ron Howard ("Frost/Nixon") und Sam Mendes ("Zeiten des Aufruhrs") nominiert.

Um den Globe als bester Animationsfilm bewerben sich "Bolt - Ein Hund für alle Fälle", "Kung Fu Panda" und "WALL·E - Der Letzte räumt die Erde auf".

 

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